In der Natur tut jedes Wesen, was in der jeweiligen Situation für es selbst angemessen ist. Weil das Invariante der Situationen harmonisch ist (z.B. welche Tierarten es wo gibt) ist das Gesamtsystem in einem dynamischen Gleichgewicht, d.h. es gibt keinen Machtmissbrauch, keine Systemstörung durch Ausnutzung usw., das System »funktioniert«.

Zu tun was für einen selbst in der eigenen lokalen Situation gerade angemessen wird beschrieben inder Behavior Setting Theorie. Beispiele aus der Natur: Tiere essen Früchte von Pflanzen weil es für sie angemessen ist; und tragen damit zur Verbreitung der Samen dieser Pflanzen bei.

Wenn Natur aufgrund dieser regulierenden Mechanismen funktioniert (und nicht aufgrund eines Verbots den eigenen Vorteil zu suchen, sondern gerade dieses Suchen mit integriert) so ist es auch zulässig und vielversprechend Community als »Behavior Setting im dynamischen Gleichgewicht« zu entwerfen. Selbstlos gebende Liebe ist nicht das Funktionsprinzip in der Natur, muss es also auch nicht in der Community sein. Sondern: ein im Normalfall aufeinander abgestimmter Kreislauf von Geben und Empfangen.

Vielleicht sollte man statt einem subjektiven Maß ein pragmatisches Maß vorschlagen: tiefe Gemeinschaft ist dann wenn Menschen dadurch heiliger werden (oder werden könnten wenn sie wollen). Das nimmt viel von (übersteigerter?) Faszination aus den eigenen Gedanken über Gemeinschaft. Und erklärt viele Beziehungen z.B. in Gemeinde für »tief« obwohl sie im eigenen Eindruck nicht besonders tief sind. Anders ausgedrückt: die Tiefe einer Gemeinschaft sollte nicht an ihrer emotionalen Wirkung gemessen werden.

Habe heute zufällig (???; auf jeden Fall ohne danach zu suchen) eine Gruppe entdeckt die tatsächlich eine mobile Community sind: die Mobile Freak-Gemeinde. Ganz spannend sind die Videos auf dieser Site. Guys, seid ihr verrückt!!!

Außerdem entdeckt: dass es seit ein paar Wochen nun »ganz offiziell« eine Freak-Kommune in Portugal gibt … sie haben 50.000 m² Land kaufen können. Es soll eine Art Community-Anlaufstelle für nomadisch lebende Menschen sein. Siehe den Blog der Gründerin.

Vielleicht könnte ich die beiden Gruppen mal besuchen? Und mir vorher über guru.com Telearbeit besorgen so dass ich mich selbst versorgen kann und gut an jedem Ort Geld verdienen kann um diese Communities mit zu versorgen. Das wäre dann der Beginn meines »sinnlosen Herumreisens« bis ich erkenne was Gott für mich will bzw. wie ich in dieser Welt leben kann.

Web 2.0 ist Hype. Web 2.0 ermöglicht globale soziale Interaktionen. Das Problem: all diese Interaktionen sind transaktionszentriert statt beziehungszentriert. Und eine Software für globale soziale Interaktion kann nur transaktionszentriert sein, denn Menschen können aus Kapazitätsgründen nur sehr wendige (tiefe) Beziehungen führen, d.h. in einem zumindest logisch lokalen statt globalen Kontext.

Deshalb kann Web 2.0 nicht alles sein: es ist die Lösung für alle quasimechanisch lösbaren Probleme des Lebens, für alle kapselbaren Probleme. Beispiele: Antworten auf technische Fragen, ein Job, Möglichkeit zur Telearbeit, Tausch von Medien. Soweit, so gut. Das aber ist nicht das ganze Leben, auch wenn viele das Gegenteil versuchen. Sondern der Mensch selbst ist das Problem, und dieses Problem ist zu groß für eine Transaktion. Es braucht Beziehung, sozusagen eine Transaktion von zumindest mehrjähriger wenn nicht lebenslanger Dauer. Das ermöglicht es, in Menschen so zu investieren dass diese charakterlich und geistlich wachsen, dass diese geheiligt werden. So etwas ist immer eine nachhaltige, langfristige Aktivität, denn es ist eine Aktivität die nur sehr langsam Fortschritte macht. Einzelne Taten helfen Menschen nicht sondern gehen wieder im Rauschen unter. Man kann es auch als Umkehrung formulieren von »Wenn der Jünger aber vollendet ist so wird er sein wie sein Meister« (Jesus Christus): es frustriert den Meister wenn die Lernenden vorzeitig abspringen oder die Ausbildung vorzeitig endet.

Diesen zu Web 2.0 komplementären Bereich will ich versuchen duch eine Firma für »Community Technology« abzudecken. Oder sollte man besser sagen: »Relationship Technology Support«? Und selbst werde ich nur im Kontext langfristiger Beziehung (in einer Community von Freunden, z.B.) in Menschen investieren … alles andere ist sinnlos weil es im Alltagsrauschen untergeht.

Wage ich mich mal, ein wenig alternativ zu Community zu denken. Was ist die ideale Zahl Menschen in einer Beziehung? Das hängt davon ab was die ideale Beziehung charakterisiert.

Wenn das Verstehen und Verstandenwerden, Kommunikation, die Erfahrung des Geliebtseins, Stabilität und Treue sind: dann ist 2 die ideale Beziehungsgröße, denn es ist die intensivste mögliche Beziehungsform weil die Partner am meisten Zeit füreinander haben können. Denn die Zeit gilt nur einem Partner, muss nicht auf mehrere andere aufgeteilt werden.

Wenn das aber Charakterschulung, Dienst aneinander, gegenseitige Unterstützung, Kampf, Gemeindebau, Heiligung und Dynamik (»Verbesserung«, ausgehend von einer unbefriedigenden Gesamtlage) sind: dann ist eine deutlich höhere Zahl die ideale Beziehungsgröße. Denn hier gibt es viele unterschiedliche Begabungen, also auch mehr Synergien usw.. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein dass die Beziehungen der Community nie die Tiefe und das Verständnis erreichen werden wie es z.B. in einer Ehe möglich ist.

Beobachtung: Das »Funktionieren« einer Gemeinde hängt ganz wesentlich vom Gemeinderaum ab: seiner Gestaltung, den Möglichkeiten darin, seinem Stil, seiner Einrichtung, seiner Entfernung. Weil Gemeinde im Gemeinderaum stattfindet ist der Gemeinderaum das »Behavior Setting« das Gemeinde zum Funktionieren bringt. Oder eben auch nicht. Gemeinden die eigene Gemeinderäume haben bleiben bestehen weil diese Räumlichkeiten bestehen bleiben. Oft nur deshalb. Gemeinden ohne eigene oder sonst geeignete Räumlichkeiten gehen ein. Auf jeden Fall darf man sich als Gemeinde durchaus eingestehen dass der Raum einen enormen Einfluss auf z.B. die Gemeinschaft der Gemeinde hat. Denn so ist es (… bleibt die Frage ob das tatsächlich Gemeinschaft ist was nur besteht wenn es zufällig eine Möglichkeit dazu gibt).

Außerdem hängt das »Funktionieren« einer Gemeinde ganz wesentlich von der Begeisterung der einzelnen Mitglieder und einer »kritischen Masse« ab.

Das beides beschrieb das Funktionieren einer Gemeinde als soziale Gruppe. Diese Aspekte finden sich in jeder sozialen Gruppe. Mindestens zu Beginn funktioniert eine Gemeinde so. Bis der menschliche Enthusiasmus aufhört, die kritische Masse unterschritten wird und das Environment Setting versagt. Das letzte passiert leider zu selten, deshalb existieren viele Gemeinden zu lange, als Hülsen.

Ist das aber alles? Wo ist Gott, der Heilige Geist, das Übernatürliche? Was tut Gott in der Gemeinde? Solange man beobachtet dass eine Gemeinde aufgrund des Behvior Settings und der Gruppendynamik funktionert ist das tatsächlich alles. Da hat Gott noch nichts getan und musste nichts tun um die Gemeinde zusammen zu halten. Erst wenn das alles aufgehört hat, erst danach: dann beginnt »geistliche Gemeinde«, das was mehr ist als ein Club. Leider erlebt man das heute kaum noch weil eine Gemeinde aufgelöst wird wenn sie scheinbar »nicht mehr funktioniert«.

Was würde »danach« passieren? Man sollte sich an den Gedanken gewöhnen dass das Wirken Gottes, das dann beginnt, völlig unspektakulär aber sehr, sehr tief ist. Das Übernatürliche daran ist: Menschen bleiben zusammen eine Gemeinde obwohl es, menschlich gesehen, keinen Grund (mehr) dazu gibt.

Wichtiges Prinzip für Gemeinde und auch für alle anderen Bereiche des Lebens: der Unterschied zwischen erlebter und realer Wirklichkeit, zwischen Subjektivität und Objektivität muss Null sein. Jede Abweichung ist Heuchelei.

Abweichungen sind deshalb so häufig und werden deshalb so gerne angewandt weil der Mensch sich nach Glück sehnt und die Subjektivität einfacher zu ändern ist also die Objektivität: es ist einfacher sich glücklich zu fühlen als einen Grund zu schaffen aus dem man sich glücklich fühlen dürfte.

Nichts spricht grundsätzlich gegen positive Subjektivität, gegen positives Erleben der Wirklichkeit. Sofern die objektive Realität auch positiv ist. Die Entkopplung zwischen objektiver und subjektiver Realität entsteht dadurch dass der Mensch ein informationsverarbeitendes Wesen ist: Information ist Stellvertretung, nicht die Realität selbst, kann also durch »falsche Stellvertretung« (Heuchelei, Lüge) auch von der objektiven Realität abweichen. Subjektivität muss korrekte Stellvertretung objektiver Realität sein, i.S. des Informationsbegriffs.

Heuchelei ist schlimm weil sie sich langfristig rächt: könnte man dauerhaft subjektiv die Realität positiver erleben als sie ist (z.B. mit Drogen usw.) gäbe es keinen Grund das nicht zu tun. Aber die objektive Realität holt einen ein: und dann erkennt man das man die Zeit besser mit Arbeit an der objektiven Realität statt mit Heuchelei (»Arbeit an der subjektiven Realität«) verbracht hätte. Es ist deshalb sehr traurig wenn es in Gemeinde Heuchelei gibt. Wenn es irgendeine Form von Problemen gibt über die man nicht spricht oder sprechen kann. Das rächt sich!!