Was ist Geist? Grundsätzliche Alternativen: eine nichtmaterielle Substanz in einer Parallelwelt; oder, Sinnhaftigkeit i.S.v. auf materiellem Substrat implementierbare aber unabhängig davon existentes »ordnendes Sein«, »Information«.

Die Bezeichnung »Logos« für Jesus und Gott deutet darauf hin dass diese letztere Alternative korrekt ist. Das Problem dabei ist üblicherweise: man findet keine Erklärung für die Existenz von Personen, denn man kann sie sich ja nicht als unteilbare »Entitäten« aus geistlicher Substanz vorstellen.

Eine Lösung für dieses Problem ist: man darf sich »Person« nicht als »atomare Einheit des Geistlichen« vorstellen. Schon deshalb nicht weil es eine denkfaule, naive Beschreibung für das Nicht-Erkannte ist. Stattdessen: »Person« ist die Konzeptualisierung für bestimmte eigenstabile, selbstbezogene geistige Systeme (bzw. »Informationssysteme«). So etwas wie »freischwebende Programme« – materielles Substrat (ein Körper, ein Gehirn) kann zu ihnen gehören, muss aber nicht. So fordert man nicht die Existenz geistlicher Substanz sondern bloß dass Information »unkodiert« (d.i. ohne materielles Substrat) existieren kann. Diese Forderung bietet natürlich gleichzeitig eine Erklärung für das Weiterleben nach dem Tod. Körperlose Personen (»freischwebende Programme«) können zwar existieren aber nicht oder nur eingeschränkt mit anderen Personen wechselwirken. Deshalb vermutlich die Existenz der Materie. Zusätzlich muss man fordern dass sich unkodierte Information trotzdem auf das Materielle auswirken kann … sonst könnte Gott nichts im materiellen Bereich tun.

Somit wird hier für »Person« als Modell angenommen: eine Person ist aus »Informations-Atomen« aufgebaut, beim Menschen ist dies komplett abgebildet im Gehirn. Das ist ein neuartiges Modell weil erstmals Person nicht mehr als Entität gesehen wird sondern in ähnlicher Weise als zusammengesetzte Struktur wie ein »Körper« im materiellen Bereich.

Und nun: »Gott ist Geist« bedeutet dann auch dass Gott solch ein (meist körperloses) eigenstabiles selbstbezogenes geistiges System ist. Das sich gleichzeitig in drei Personen ausdrückt (mehrpersonale Einheit, beschrieben durch die Trinität).

Fragt sich nun noch was Materie ist: es spricht nichts dagegen sie zu betrachten als als »Erscheinungsform des Geistigen die zur freien Verfügung steht«, quasi etwas das Gott beständig in gleicher Weise zur Verfügung stellt so dass etwas wie »Welt« darin stattfinden kann, etwas das unabhängig ist von Gott. Dieser Vostellung liegt dann die Annahme zugrunde dass Gott nichts außerhalb seiner selbst schaffen kann.

Oder, alternativ: die Annahme dass es auch Geist außerhalb Gottes geben kann ist besser. Das ist problemlos denkbar, denn Geist ist nichtmateriell und kann also beliebig aus dem Nichts entstehen. Somit wird einfach ein unendlich großes »Geist-Universum« postuliert in dem beliebig viele eigenstabile geistige Systeme existieren können – wieder problemlos denn auch für unendlich viel Geist wird keine Materie benötigt. Somit können andere Geister getrennt von Gott existieren (menschliche Geister, Dämonen usw.). Und es spricht dann auch nichts dagegen die Materie als eigenstabiles (aber nicht selbstbezogenes!) geistiges System zu betrachten: auch Materie ist Geist; Materie ist nicht selbstbezogen weil strukturlose Materie, sich selbst überlassen, nicht zur Selbstbeobachtung tendiert (2. Hauptsatz der Thermodynamik). Nur andere geistige Systeme die einen materiellen Bestandteil haben (Menschen, Tiere usw.) können Materie beobachten; die Materie dient ihnen als »Middleware«: als Schnittstelle zwischen Geist.

Wichtiger Forschungsbereich zur Überprüfung dieser Theroie: Geist-Materie-Interaktion. Postuliert wird ja dass reiner Geist gestaltende Wirkung in Materie haben kann (was z.B. bei dämonischer Besessenheit auftreten würde indem Programmierung und Struktur im Gehirn durch einen dämonischen Geist geändert werden.)

Diese Theorie hat interessante Implikationen auf das Selbstbild: man sieht sich nicht mehr als unteilbare Einheit sondern als hochkomplexes System, aufgebaut aus Bestandteilen die selbst keine personalen Eigenschaften haben.

Außerdem hat sie interessante Implikationen auf das biblische Konzept »Fleisch«. Denn: nach dieser Theorie ist die Programmierung des Gehirns der Zustand des Geistes. Eine moralisch böse Programmierung des Gehirns ist also gleichbedeutend mit einem moralisch bösen Zustand des Geistes. Und den Heiligen Geist zu haben ist dann etwas wie eine vom Menschen untrennbare gute Komponente, stellvertretend gut und auch so dass der Mensch Schritt um Schritt durch diesen neuen guten »Kern«, dieses »unlöschbare gute Programm« geheiligt wird.

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