Relaxtes Erkennen von Gottes Segen wenn man den Stress aufgibt, jede Erfahrung religiös interpretieren zu müssen, in allem das direkte Eingreifen Gottes erkennen zu wollen?

Krankheit, Freundschaften die sich auseinanderleben, … : all das tut nicht Gott, sondern es ist unser Leben, in einer gefallenen Welt.

Siehe in Prediger: früh am Morgen streue Deinen Samen, und des Abends lass Deine Hand nicht ab. Das heißt: um Gottes Segen zu erfahren muss man ihn sozusagen ausgraben; latent ist eine Unmenge davon vorhanden, und weil das der Fall ist ist Gott gut.

Lies Ps.78: Asaph fragte sich auch warum man auf der Erde keinen Unterschied erkennen kann in dem Sinn dass Gott es den Gläubigen gut und den Ungläubigen schlecht gehen lässt.

Und was bedeutet Anbetung neu in dieser relaxten, nichtreligiösen Sicht auf das was Gott heute tut? Es bedeutet wohl Folgendes: man sollte nicht denken Gott höre auf dieselbe direkte, konkrete Art zu wie ein Mensch in dem Sinn dass jedes bei der Anbetung geäußerte Wort eine Wirkung hat. Sondern Anbetung ist indirekter, hat einen größeren Maßstab: man »stellt Gott dar« indem man von ihm singt und ihn anbetet, man sagt und zeigt damit anderen wie ER ist, und das hat seine Wirkung nicht beim ersten mal, sondern evtl. erst nach Jahren.

Und genauso nüchtern ist ein Gottesdienst dann nicht etwas wo man hingeht um Gott zu »erleben« (in dem Sinn dass man stets erwartet dass Gott etwas konkretes tut im Gottesdienst) sondern um seine Dankbarkeit für die einmaligen Geschenke (gegeben in Christus) auszudrücken, die einem ermöglichen zu leben, sowohl jetzt (z.B.: mit Hilfe der Gemeinschaft in der Gemeinde) als auch in Ewigkeit.

Vielleicht müssen Menschen so »unabhängig« bzw. »selbständig« von Gottes konkretem Eingreifen leben weil Gott will dass sie SEIN Ebenbild sind?

Aber wenn das Wirken Gottes so unkonkret und natürlich ist: woran können wir dann erkennen dass wir tatsächlich mit Gott leben statt bloß eine Religion zu haben? Ganz krass wäre: außer in Einzelfällen wo Gott von sich aus konkret eingreift (»Gebetserhörungen«) und außer den »Gandengaben« gibt es evtl. keine konkreten Erfahrungen mit Gott. D.h. wir haben keine Religion und keine konkreten Erfahrungen mit Gott, selbständig lebend in dem was Gott getan hat durch Jesus Christus, ein gutes praktisches Leben darin findend, auch schon hier auf der Erde.

Wenn das das praktische Leben als Christ ist: dann ist die Beschäftigung mit der Bibel als sei es die Heilige Schrift einer Religion (»Bibelschule«, »Bibelstunde«) usw. Blödsinn.

»Da seine göttliche Kraft uns alles in betreff des Lebens und der Gottseligkeit« (2.Petr.1,3) – was also an konkretem Eingreifen Gottes brauchen wir noch? Und auch die Gnadengaben sollten wohl weniger als beständiges konkretes Eingreifen Gottes verstanden werden, vielmehr ein einmaliges Geschenk Gottes über das der beschenkte Gläubige dann verfügen kann.

2.Petr.1,3 bedeutet aber auch dass wir Menschen selbst nicht haben was zum Leben und zur Gottseligkeit dient sondern dass es Dinge sind die wir nur von Gott empfangen können, d.h. etwas Übernatürliches!! Und daran (evtl. nur daran) kann man erkennen dass es im Christsein nicht nur mit natürlichen Dingen zugeht: am Anfang (und bei manchen vielleicht nur da) steht ein übernatürlcihes Ereignis: die Wiedergeburt = der Empfang des Heiligen Geistes = der Empfang von allem was zum Leben und zur Gottseligkeit dient, durch SEINE göttliche Kraft. Ansonsten aber sind Christen noch normalere Menschen als sie meist annehmen: so lange wir hier unten sind sollten wir auch hier unten leben … erst im Himmel werden wir in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott leben, hier sind wir SEINE Stellvertreter, wir müssen ihn hier darstelen und vertreten.

Wenn die Beziehung zu Gott so indirekt ist bedeutet das u.a.: man sollte annehmen dass im Normalfall emotionale Reaktionen etwas rein menschliches statt von Gott implantiertes sind. Deshalb muss man lernen um emotional angemessen auf Gott und andere Menschen reagieren zu können.

Diese Sicht dass Gott normalerweise indirekt handelt mach die Frage nach dem Leiden viel unproblematischer: dann ist Leid nicht etwas das Gott konkret im Leben einzelner »aktiv zulässt« und schon gar nicht etwas das er »aktiv tut« sondern einfach die Konsequenz einer gefallenen Schöpfung die entsprechend ihren eigenen Naturgesetzen funktioniert.

Würde man andererseits annehmen dass Gott das Gute konkret tut dann mus man aus Symmetriegründen auch annehmen dass Gott das Schlechte (das Leid) konkret tut.

Diese »Naturgesetze« sind wohl Ausdruck davon dass Gott in sich selbst konsistent sein will / muss. Es gibt sie im Sinne von Notwendigkeiten (nicht aber quasi-magischen unlogischen Selbst-Abläufen) auch im geistlichen Bereich: »Wenn es möglich ist gehe dieser Kelch an mit vorüber« (und es war nicht möglich); »Es ist unmöglich dass Versuchungen nicht kommen«. Eine ebensolche Notwendigkeit findet sich am Anfang der Menschheitsgeschichte und ist der Grund warum die Schöpfung so zu Schrott gehen konnte: der Mensch musste als Ebenbild Gottes die Freiheit haben, Gottes Gnade abzulehnen.

Insgesamt behebt der Gedanke dass Gott normalerweise indirekt handelt alle Problem einer »religiösen Interpretation des Lebens«. U.a. erlaubt das, Röm.8 richtig zu verstehen: nichts Schlechtes, von Gott nicht Gewolltes kann uns trennen von Gott. Man muss sozusagen denken dass Gott (wenn er mal konkret handelt) wie ein Geschöpf unter Geschöpfen handelt. Aber keinesfalls dass alles was geschieht SEIN konkretes, individuell beabsichtigtes Handeln sei in dem Sinn dass einmal sich alles im Leben jedes Einzelnen zu einem großen Plan zusammensetzt. Diese Vorstellung von »Transzendenz Gottes« widerspricht dem Charakter des Lebendigen als etwas Selbst-Aktivem.

Um gesegnet zu sein darf man nicht einfach warten bis Gott etwas konkretes tut: solcher Segen ist extrem selten, der meiste Segen ist latent schon da, man muss ihn aber »ausgraben« bzw. aus Einzelteilen zu etwas funktionierendem »zusammensetzen«.

Und wenn Dinge misslingen: man sollte nicht meinen dass Gott einen mit Misserfolg unerträglich straft, denn ebensowenig ist Krankheit an der man stirbt von Gott. Gott ist nicht derjenige der unser Leben »unerträglich« macht, sondern solche Dinge treffen uns ohne dass Gott es will, weil diese Welt eben »selbständig« sein muss. Uns trifft sozusagen die »ganze Härte« dieser Welt, mit dieser Härte müssen wir leben (… wo wirklich nötig hilft Gott konkret gegen diese Härte). So lange Dinge nicht funktionieren suche man also einfach weiter nach etwas gutem Funktionierendem: das kann man dann eine Gabe Gottes nennen, denn jede gute Gabe kommt von Gott und dass es dies Gute latent gab hat Gott gemacht (… d.h. die Möglichkeit es zu finden). Beispiel: Community, funktionierende Gemeinde.

Diese Sicht vom Handeln Gottes bedeutet auch dass die Gemeinde sehr wichtig ist: hier, nirgendwo sonst, kann man die Auswirkungen dessen erleben was Gott durch Jesus den Menschen an Gutem gegeben hat. Denn hier erlebt man liebende, veränderte Menschen.

Derzeitiges Problem mit diesem Verständnis ist nur noch: Gnadengaben sind konkretes, beständiges übernatürliches Wirken Gottes … sie müssten existieren und man kann an dieser Anzahlung Gottes Herrlichkeit erkennen. Warum gibt es sie nicht mehr? Weil sie zur Ausrüstung der Heiligen gedacht sind, d.h. wenn Heilige zum Dienst fähig sind zeigt dass das Gnadengaben beteiligt waren auch wenn es die übernatürlichen davon nicht mehr gibt??

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