Web 2.0 ist Hype. Web 2.0 ermöglicht globale soziale Interaktionen. Das Problem: all diese Interaktionen sind transaktionszentriert statt beziehungszentriert. Und eine Software für globale soziale Interaktion kann nur transaktionszentriert sein, denn Menschen können aus Kapazitätsgründen nur sehr wendige (tiefe) Beziehungen führen, d.h. in einem zumindest logisch lokalen statt globalen Kontext.

Deshalb kann Web 2.0 nicht alles sein: es ist die Lösung für alle quasimechanisch lösbaren Probleme des Lebens, für alle kapselbaren Probleme. Beispiele: Antworten auf technische Fragen, ein Job, Möglichkeit zur Telearbeit, Tausch von Medien. Soweit, so gut. Das aber ist nicht das ganze Leben, auch wenn viele das Gegenteil versuchen. Sondern der Mensch selbst ist das Problem, und dieses Problem ist zu groß für eine Transaktion. Es braucht Beziehung, sozusagen eine Transaktion von zumindest mehrjähriger wenn nicht lebenslanger Dauer. Das ermöglicht es, in Menschen so zu investieren dass diese charakterlich und geistlich wachsen, dass diese geheiligt werden. So etwas ist immer eine nachhaltige, langfristige Aktivität, denn es ist eine Aktivität die nur sehr langsam Fortschritte macht. Einzelne Taten helfen Menschen nicht sondern gehen wieder im Rauschen unter. Man kann es auch als Umkehrung formulieren von »Wenn der Jünger aber vollendet ist so wird er sein wie sein Meister« (Jesus Christus): es frustriert den Meister wenn die Lernenden vorzeitig abspringen oder die Ausbildung vorzeitig endet.

Diesen zu Web 2.0 komplementären Bereich will ich versuchen duch eine Firma für »Community Technology« abzudecken. Oder sollte man besser sagen: »Relationship Technology Support«? Und selbst werde ich nur im Kontext langfristiger Beziehung (in einer Community von Freunden, z.B.) in Menschen investieren … alles andere ist sinnlos weil es im Alltagsrauschen untergeht.

Wage ich mich mal, ein wenig alternativ zu Community zu denken. Was ist die ideale Zahl Menschen in einer Beziehung? Das hängt davon ab was die ideale Beziehung charakterisiert.

Wenn das Verstehen und Verstandenwerden, Kommunikation, die Erfahrung des Geliebtseins, Stabilität und Treue sind: dann ist 2 die ideale Beziehungsgröße, denn es ist die intensivste mögliche Beziehungsform weil die Partner am meisten Zeit füreinander haben können. Denn die Zeit gilt nur einem Partner, muss nicht auf mehrere andere aufgeteilt werden.

Wenn das aber Charakterschulung, Dienst aneinander, gegenseitige Unterstützung, Kampf, Gemeindebau, Heiligung und Dynamik (»Verbesserung«, ausgehend von einer unbefriedigenden Gesamtlage) sind: dann ist eine deutlich höhere Zahl die ideale Beziehungsgröße. Denn hier gibt es viele unterschiedliche Begabungen, also auch mehr Synergien usw.. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein dass die Beziehungen der Community nie die Tiefe und das Verständnis erreichen werden wie es z.B. in einer Ehe möglich ist.

Beobachtung: Das »Funktionieren« einer Gemeinde hängt ganz wesentlich vom Gemeinderaum ab: seiner Gestaltung, den Möglichkeiten darin, seinem Stil, seiner Einrichtung, seiner Entfernung. Weil Gemeinde im Gemeinderaum stattfindet ist der Gemeinderaum das »Behavior Setting« das Gemeinde zum Funktionieren bringt. Oder eben auch nicht. Gemeinden die eigene Gemeinderäume haben bleiben bestehen weil diese Räumlichkeiten bestehen bleiben. Oft nur deshalb. Gemeinden ohne eigene oder sonst geeignete Räumlichkeiten gehen ein. Auf jeden Fall darf man sich als Gemeinde durchaus eingestehen dass der Raum einen enormen Einfluss auf z.B. die Gemeinschaft der Gemeinde hat. Denn so ist es (… bleibt die Frage ob das tatsächlich Gemeinschaft ist was nur besteht wenn es zufällig eine Möglichkeit dazu gibt).

Außerdem hängt das »Funktionieren« einer Gemeinde ganz wesentlich von der Begeisterung der einzelnen Mitglieder und einer »kritischen Masse« ab.

Das beides beschrieb das Funktionieren einer Gemeinde als soziale Gruppe. Diese Aspekte finden sich in jeder sozialen Gruppe. Mindestens zu Beginn funktioniert eine Gemeinde so. Bis der menschliche Enthusiasmus aufhört, die kritische Masse unterschritten wird und das Environment Setting versagt. Das letzte passiert leider zu selten, deshalb existieren viele Gemeinden zu lange, als Hülsen.

Ist das aber alles? Wo ist Gott, der Heilige Geist, das Übernatürliche? Was tut Gott in der Gemeinde? Solange man beobachtet dass eine Gemeinde aufgrund des Behvior Settings und der Gruppendynamik funktionert ist das tatsächlich alles. Da hat Gott noch nichts getan und musste nichts tun um die Gemeinde zusammen zu halten. Erst wenn das alles aufgehört hat, erst danach: dann beginnt »geistliche Gemeinde«, das was mehr ist als ein Club. Leider erlebt man das heute kaum noch weil eine Gemeinde aufgelöst wird wenn sie scheinbar »nicht mehr funktioniert«.

Was würde »danach« passieren? Man sollte sich an den Gedanken gewöhnen dass das Wirken Gottes, das dann beginnt, völlig unspektakulär aber sehr, sehr tief ist. Das Übernatürliche daran ist: Menschen bleiben zusammen eine Gemeinde obwohl es, menschlich gesehen, keinen Grund (mehr) dazu gibt.

Wichtiges Prinzip für Gemeinde und auch für alle anderen Bereiche des Lebens: der Unterschied zwischen erlebter und realer Wirklichkeit, zwischen Subjektivität und Objektivität muss Null sein. Jede Abweichung ist Heuchelei.

Abweichungen sind deshalb so häufig und werden deshalb so gerne angewandt weil der Mensch sich nach Glück sehnt und die Subjektivität einfacher zu ändern ist also die Objektivität: es ist einfacher sich glücklich zu fühlen als einen Grund zu schaffen aus dem man sich glücklich fühlen dürfte.

Nichts spricht grundsätzlich gegen positive Subjektivität, gegen positives Erleben der Wirklichkeit. Sofern die objektive Realität auch positiv ist. Die Entkopplung zwischen objektiver und subjektiver Realität entsteht dadurch dass der Mensch ein informationsverarbeitendes Wesen ist: Information ist Stellvertretung, nicht die Realität selbst, kann also durch »falsche Stellvertretung« (Heuchelei, Lüge) auch von der objektiven Realität abweichen. Subjektivität muss korrekte Stellvertretung objektiver Realität sein, i.S. des Informationsbegriffs.

Heuchelei ist schlimm weil sie sich langfristig rächt: könnte man dauerhaft subjektiv die Realität positiver erleben als sie ist (z.B. mit Drogen usw.) gäbe es keinen Grund das nicht zu tun. Aber die objektive Realität holt einen ein: und dann erkennt man das man die Zeit besser mit Arbeit an der objektiven Realität statt mit Heuchelei (»Arbeit an der subjektiven Realität«) verbracht hätte. Es ist deshalb sehr traurig wenn es in Gemeinde Heuchelei gibt. Wenn es irgendeine Form von Problemen gibt über die man nicht spricht oder sprechen kann. Das rächt sich!!

Über das Gutsein biologischer Systeme. Nur statische Systeme können ewig existieren ohne sich gegen zerstörende Einflüsse »wehren« zu müssen: nämlich dann wenn sie sich im kräftefreien Raum befinden. Dynamische Systeme (darunter jedes System das auf andere wirken will, also alles Lebendige) können sich dagegen nur in einem dynamischen (statt statischen) Gleichgewicht befinden: jede Aktion hat auch eine Wirkung auf es selbst (Kraft und Gegenkraft), und diese ist nicht unbedingt i.S. des Systems (z.B. Abrieb von Zähnen beim Essen), das heißt es braucht wieder eine Aktion die das ausgleicht, diese hat wieder eine Wirkung auf das System selbst usw..

Die gute Nachricht ist nun: es ist möglich ewige dynamische Systeme zu bauen. Ewiges Leben im Materiellen ist denkbar, erfordert ggü. dem jetzigen Zustand aber Perfektionierung (»Bugtracking«). In dem Sinn dass nichts zulässig ist wozu keine ausgleichende Aktion denkbar ist (z.B. Straßenverkehr im heutigen Sinn, denn da kann es Verkehrstote geben). Ganzheitlich zu leben erfordert aber, nichts zu tun was sich rächt, auch wenn das lange dauert.

Und: ein egoistisches Element kann das dynamische Gleichgewicht bereits zerstören, weil zu seiner Korrektur Ressourcen herangezogen werden müssen die bereits zum Ausgleich anderer Dinge gedacht waren. So stopft man ein Loch mit dem anderen bis das System kaputtgeht (Tod).

Diese Sichtweise führt außerdem zu einer völlig neuen Sicht des Wirtschaftens und Lebens: es geht nicht darum etwas für sich selbst zu erreichen sondern »system engineering« in dieser Welt zu betreiben: sie für alle zu einem System in dynamischem Gleichgewicht zu machen, zu einem System das Leben ermöglicht und lebenswert ist. Das heißt auch: es kann als Mensch nie darum gehen, stolz auf spezielle Detailqualifikationen zu sein. Sondern gerade die Unnötigkeit solcher Detailqualifikationen (die man für Beiträge beim »system engineering« der Welt braucht) zeigt dass die Welt ein funktionierendes System ist. D.h. eigenstabil, so dass es funktioniert ohne dass sich Menschen darum tief kümmern müssen.

Es scheint dass es Gott ein großes Anliegen war die Welt so zu schaffen dass sie selbständig, nach mitgeschaffenen physikalischen Gesetzen, abläuft statt auf Gottes direktes Wirken angewiesen zu sein.

Vermutung: so ist es auch im geistlichen Bereich. Wo immer möglich ändert Gott Menschen ohne direktes übernatürliches Eingreifen. Er lässt einfach Christen auf Nichtchristen wirken: sie sind ausgerüstet mit geistlichen Gaben, haben den Heiligen Geist (hier i.S.v.: Kraft zu geistlichem Leben) und können also Jesus vorleben und weiterhelfen. Nur selten hilft Gott durch Wunder. Normalerweise hilft er mittelbar: die ersten Jünger waren von Jesus gelehrt (das war die »Initialzündung«), und seitdem wird dieses Gute das dadurch in die Welt gekommen ist ständig weitergegeben.

Das hilft zu verstehen was Gebetserhörungen sind und was nicht. Die meisten konkreten Gebete sind vermutlich auswirkungslos: statt um Gottes konkreten Segen für einzelne Situationen zu beten (z.B. missionarische Veranstaltungen) sollte man lieber einfach danken dass Jesus dabei ist. Konkretes Gelingen sollte man dann auch nicht direkt Gott zuschreiben sondern Gott danken dass er in uns ist und uns so ermöglicht hat geistlich zu handeln und den Menschen helfen zu können. Nur wo tatsächlich konkretes (übernatürliches) Eingreifen Gottes erforderlich oder geschehen ist sollte man darum bitten bzw. dafür danken.

Oft scheint es so zu sein dass Gottes übernatürliches Eingreifen nur am Anfang von Werken steht die er tun will, wieder wie eine Initialzündung von der ausgehend der Rest logisch und aus dem vorhandenen Potenzial abläuft.

Gebet um Gottes konkrete Hilfe und seinen Segen auf einzelne Gottesdienste oder deren Vorbereitung sollte man sich wohl sparen und Gott einfach danken für die Gaben und Möglichkeiten die er dafür zur Verfügung gestellt hat. Und dann sollten wir diese Gaben selbst einsetzen und nutzen: that’s life, a mess of meaningless details to act in. Vgl. auch das Gleichnis vom Hausherren der seinen Knechten Talente gab und dann wegreiste, d.h. er war für konkrete Bitten um Hilfe nicht mehr ansprechbar.

Kommentiere aus dieser Sicht was ich früher einmal schrieb:

»Strecke die Hand aus und Gott ist da.« Es ist einfach großartig, wie Gott zu jedem Menschen sein möchte: so nahe, so präsent in den Erfahrungen jeden Tages, in allen kleinen und großen Geschenken und Freuden. Und so präsent in allen guten Beziehungen zu Menschen.

Und kommentiere: in welchem Sinn kann man Gott in der Natur erleben? In gutem Essen, gutem Wetter? Sicher nicht so als habe Gott das gerade heute nur für mich getan …

Wenn man weiß dass Gott meist indirekt hilft statt konkret, sofort und übernatürlich, und dass seine Hilfe kommt egal ob ich konkret dafür bete oder nicht (einfach weil Gott das Gute für uns will …): dann wird man seltener in schwieriger Lage um sofortige Befreiung beten oder eine solche von Gott erwarten.

Es scheint sogar so zu sein: wenn Gott uns indirekt Gutes tut und hilft (der Normalfall) dann hängt der Zeitpunkt und Umfang der Hilfe auch von Menschen ab. D.h. Menschen (oder auch böse geistliche Mächte, wie im Buch Daniel in der Bibel) können Gottes indirekte Hilfe und auch Gebetserhörungen aufhalten oder schmälern. Das heißt: genauso wie bei Adam am Anfang hat das schlechte Verhalten auch heute noch negative Wirkungen auf andere, unbeteiligte, unschuldige Mitmenschen. Das ist so weil Gott es wichtig war dass die Welt selbständig und »geschlossen« funktioniert …

Der Hauptgrund warum es wohl unangemessen ist Gott um viele kleine konkrete Dinge zu bitten ist: es war auch zur Zeit des NT nicht so. Sogar Dinge wie Krankheit und Missernte treffen Menschen erstmal einfach so, gemäß statistischer Verteilung. Da macht es keinen Sinn, Gottes konkrete Hilfe und Bewahrung z.B. bei einer einzigen Autofahrt zu erwarten. So etwas war keine Glaubenspraxis im NT!!!

Da gibt es Menschen die aus der Existenz von Korrelaten zwischen Hirnfunktionen und seelischen Eigenschaften (Bewusstsein, religiöses Erleben, …) folgern, die starke Form des Materialismus habe gesiegt (»Der Preis der Selbsterkenntnis«, Gehirn & Geist, 7-8/2006).

Materialismus behauptet, es gebe nichts als Materie. Das ist: es gebe keinen Unterschied zwischen geordneter und ungeordneter Materie, denn beides ist »nur« Materie. Das ist: es gebe keine Ordnung als ontologische Größe, sondern Ordnung sei ein Zufallsprodukt geringer Wahrscheinlichkeit.

Nun aber. Es mag sein dass richtig ist: es gibt nichts wenn es keine Materie gibt. Materie ist das einzig mögliche Material (»Substrat«). Wenn es Geist gibt kann er also auch nur in Materie realisiert sein, d.i. eine eigenstabile Ordnungsform der Materie. Geist wäre in Materie realisiert, könnte aber nie von Materie hervorgebracht werden (weil es, empirisch beobachtbar, keine materiellen Prozesse gibt die Komplexität erzeugen). Das heißt: Geist hat keinen materiellen Ursprung, ist also ewig; also ist auch die Materie ewig, denn Geist braucht Materie als Substrat: ohne Materie gäbe es keinen Geist.

Es ist derzeit keinesfalls erkennbar ob Geist tatsächlich rein materiell realisiert ist oder aber aus eigenem, nichtmateriellem Material gebaut ist (sozusagen ein Geist-Paralleluniversum mit eigenen Naturgesetzen, orthogonal zum materiellen Universum existent). Aber: diese materialistische Theorie des Geistes zeigt dass keine Erkenntnis der deskriptiven Neuroanthropologie beweisen kann dass Geist als eigenständige, nichtmaterielle Größe nicht existiert. Um das zu beweisen muss gezeigt werden dass Geist aus Materie spontan entstehen kann: man muss die Evolution des Menschen im Labor wiederholen. Bis dahin ist nichts bewiesen.

Diese meine materialistische Theorie des Geistes gibt der Materie eine enorme Bedeutung: sie ist schon ewig Träger des Geistes, der Geist ist auf ihre Existenz angewiesen. Würde das bedeuten dass auch Gottes Geist materielles Substrat braucht?

Außerdem hat diese Theorie interessante Implikationen auf das Verständnis des Menschen und das Verständnis des biblischen Menschenbildes: »Seelisches« ist nicht minderwertig weil wir erkennen können auf welchen Neurotransmittern Emotionen beruhen; sondern Emotionalität ist etwas Nichtmaterielles, genauso hochwertig wie Philosophie. Typisch weibliche und männliche nichtmaterielle Leistungen haben also keinen unterschiedlichen Wert.

Siehe auch: naturgesetzliche Informationstheorie von Werner Gitt.