Hm, ich muss mal ein paar Sachen zu Lebensgestaltung usw. schreiben. Die Einleitung wird wohl recht emotional werden (soll heißen ich hab’ Gram in mir). Deshalb solltet ihr das nur lesen wenn ihr für realitätsfern übertriebene Emotionalität Verständnis aufbringen könnt.

Also. Wahrscheinlich bin ich nicht allein damit das durchschnittlich deutsche Leben ziemlich langweilig und effektlos zu finden. Seien wir ehrlich: Deutschland als Ganzes lebt für die Sicherung der eigenen Existenz. Anderen (Menschen in Ländern die selbst einfach nicht klarkommen) zu helfen ist etwas das volkswirtschaftlich ein vernachlässigbar geringes Volumen hat. Soll heißen, Menschen beschäftigen sich im Durchschnitt während ihres Lebens nur mit ihrem eigenen Leben; nur damit, weiterzuleben. Herrlich effektlos, und wer auch anders leben könnte bei dem ist die Frage nach dem Sinn solchen Daherlebens herrlich berechtigt.

Das schreit. Und ich auch, denn ich bin gefangen in der Tätigkeit ein stabiles deutsches Leben stabil halten zu müssen: Studium fertigmachen, Job suchen, Krankenversicherung, private Haftpflicht, Zahnersatzversicherung. Fahrrad reparieren und wissen dass es wieder kaputt geht. Zeit mit und für Gott als Stress empfinden weil ich mich anstrengen muss das überhaupt in meinem Tag noch unterzubekommen. Und mich darüber ärgern dass ich das für Stress halte; denn es ist mein Leben mit Gott zu leben; und wenn das stresst, dann habe ich Stress als Lebensinhalt. Tolle Wolle.

Ok guys. Jetzt kommt die Vision eines kraftlosen Desillusionierten der hofft dass Gott sie ihm Wirklichkeit werden lässt bevor er vollends im System hochzivilisierter hochsinnloser Betriebsamkeit zermalen wurde. Meine Vision ist eine Community deren Synergie den Einzelnen freier macht. Frei für ein effektvolles Leben zum Guten für andere.

Genug der zeternden Einleitung, jetzt wird es noch technisch. Eine »Synergetic Community« ist ein soziales Experiment und da sind ein paar Gedanken vorher echt dran. Und, folks: kommentiert mich. Echt gerne!

Idee: ein soziales System das funktioniert

Firmen sind zum Beispiel soziale Systeme: sie sind nur stabil wenn eine stabile Zahl Beteiligter motiviert ist sich einzubringen. Motivation entsteht durch Faszination, aber das ist schwierig zu steuern und langfristig kaum stabil. Motivation entsteht aber auch durch ein Investment-Result-Ratio zugunsten des Investors. Dieses beständig aufrecht zu erhalten (wobei man dazu auf große Spitzen verzichten kann) scheint ein kritischer Faktor zum Funktionieren sozialer Systeme zu sein.

Ich kann es auch so sagen: Welt ist Chaos, und ich sehne mich nach einer Entropiesenke. Nach einem Ort der funktioniert. Nach einer kleinen (oder nicht so kleinen) High Power Community die ein Maximum an Verlässlichkeit und Funktion erreicht. Nach sozialen Beziehungen die so gut funktionieren wie gute Technik … so gut wie meine kleine MagLite die ich seit 12 Jahren jeden Tag bei mir habe.

Zugegeben, mit einem Vergleich von sozialen Beziehungen und Technik werde ich die Leserinnen unter meinen Lesern nicht gerade begeistern. Also, für euch: ich schlage eine Gruppe vor, in der alle Beziehungen beste Freundschaften sind. Absolutes Vertrauen, maximale Hilfsbereitschaft.

Unter Soldaten redet man über so etwas wie den Korpsgeist und die Kameradschaft in der  »kleinen Kampfgemeinschaft« und wie faszinierend das ist. Unter Christen redet man von der Gemeinde als dem »einen Körper« und wie faszinierend das ist. So etwas dauerhaft zu erleben, darauf will ich hier hinaus.

Technik als Tool

Man kann sich in der Beschäftigung mit Technik sinnlos verirren, Technik aus Liebhaberei und zum Selbstzweck verwenden. Wenn Community das Ende effektlosen Lebens sein soll müssen wir das sein lassen, und das wird Technokraten wie mir schwer fallen.

Aber Community ist nicht technikfeindlich. Sie wird jedes technische Mittel einsetzen das sich im technischen Sinn rentiert: das mehr Zeit (oder: Flexibilität, Spontanität, Geld) bringt als es sie kostet. Das Beispiel der Industrie zeigt dass sich mehr technische Mittel rentieren je größer die Einheit wird (Stichwort Fixkostendegression). So wird das auch bei Community im Vergleich zu den überkleinerten Durchschnittshaushalten sein. Ich erinnere mich gerne an meine Zeit bei der Bundeswehr als eine Großküche mich versorgte … mit Obstbuffet jeden Morgen, yeahh.

Noch etwas: es ist eine interessante Beobachtung dass in einem gewöhnlichen Mehrpersonenhaushalt und auch in vielen Firmen die allermeisten Ressourcen (bis 95% in Privathaushalten) praktisch nie genutzt werden. Ein- oder zweimal im Jahr werden sie genutzt und ansonsten »aktiv vergammelt«. Die Welt, gefüllt mit technischen Artefakten und beschäftigt damit diese zu vergammeln, spätestens dadurch dass sie vom technischen Fortschritt überholt werden. Etwas vereinfacht gesagt ist der Sinn eines technischen Artefakts gleich dem Prozentsatz Zeit in dem es eingesetzt wird (bezieht sich nicht auf Notfallreaktions-Technik usw.). Technik muss im Fluss sein um technisch effizient zu sein. Solange eine technische Ressource ungenutzt ist ist sie eine verschwendete Ressource. In Community nun sind die Möglichkeiten weit besser eine gleichmäßig hohe Ressourcenauslastung zu erreichen. Denn in Wenigpersonenhaushalten müssen selten (aber doch) benötigte Ressourcen eben trotzdem bevorratet werden; Leihen ist sozial unüblich oder sogar noch ineffizienter.

Denken wir also mal etwas nach über technische Mittel die sich in Ein- und Wenigpersonenhaushalten nicht rentieren, wohl aber in Community. Unter anderem deshalb weil eine bessere Resourcenauslastung gewährleistet werden kann. Solche Technik macht das Leben in Community deutlich effizienter und zeitsparender als das Leben allein:

  • Community Groupware. Eine besondere Form Groupware die per WAP-Handy bedient wird und das Prinzip flexibler und maximal spontaner Organisation der Aktivitäten einer Community gut in die Praxis umsetzt. Es gibt so coole Szenen in Kriegsfilmen wo einer die Luftunterstützung anfunkt und 5 Minuten später kommen die …
  • Resource Sharing. Zusammen mit einem Ressourcenverwaltungsmodul in Community Groupware sollte das zu maximaler Nutzung der technischen Ressourcen führen. Die gemeinsam genutzten Ressourcen könnten in einem großen Lagerraum zugänglich gemacht werden. Ressourcen die man gemeinsam nutzen kann sind zum Beispiel: Autos, einen Transporter, Werkstatt inkl. Fahrzeug-Spezialwerkzeug, Kleidung, Outdoorausstattung, Hifi-Anlage, Notebooks, … .
  • Großküche. Rentiert sich nur in Einheiten von Community-Größe.
  • Highspeed-Internetzugang. Gemeinsam genutzt. Inkl. öffentlichen Internet-Terminals in den Community-Räumen.
  • UMTS-Flatrates. Gemeinsam genutzt.
  • Fahrradpark mit System. Anschaffung einer Sammlung identischer Fahrräder, was die Reparatur und Ersatzteilversorgung vereinfacht.
  • Mitentwicklung an benutzter OpenSource-Software. Selbst Bugreports usw. lohnen sich in Wenigpersonensystemen nicht, in Community schon.
  • Vorkonfigurierte Computersysteme. Es rentiert sich eine Linux-Konfiguration zu entwickeln die auf die Bedürfnisse der Community abgestimmt ist. Und es gibt zentrale Wartung und Problemlösung. So kommen solche in den Genuss funktionierender Software die ein entsprechendes System für sich selbst nicht einrichten könnten.

Sein: miteinander, füreinander, voneinander, für andere

Szenario: ein Tag. Kann natürlich noch fat beliebig umgestaltet werden. Denn nicht ich bin Community, nicht ich definiere community. Nur, Community darf nicht deutscher Alltag im großen Maßstab sein, sie hat das Zeug zur »Gegengesellschaft«.

  1. Aufstehen 7.00 Uhr.
  2. ACOLA-Lauf. AMILA kenne ich von der Bundeswehr als »Allgemeines mlitärisches Lauftraining«, und ACOLA ist ein bisschen so ähnlich …
  3. Morgenandacht. Hauptsache ehrlich und echt, kein frommes Geheuchel.
  4. Frühstücksbuffet, dabei Lagebesprechung mit Beamer und der Präsentationsanwendung von Community Groupware. Es wird nicht der Tag geplant (das macht Community Groupware), aber jeder sollte einen Überblick über de laufenden Projekte und ihre Wichtigkeit erhalten.
  5. Arbeiten. Manche in externen Firmen, manche in internen Firmen, manche in der Community. Flexibilität ist wichtig wie überall in der Community: Job-Sharing, Gleitzeit, Telearbeit, freie Zeiteinteilung, Heimarbeit usw.. Das Einkommen wird »gepoolt«.
  6. Mittagessen.
  7. Dienst und Freizeit und Zeit mit Gott und Zeit füreinander und Abendessen. Keine festen Abläufe usw..

Was Community vom Leben allein unterscheidet sind Möglichkeiten die man ohne Community nicht hat:

  • Fast immer ist man mit Freunden zusammen zu denen man ehrlich sein kann, die einen ermutigen und einem persönlich weiterhelfen können.
  • Es gibt »Community-Projekte« die die Community übernimmt, in Abhängigkeit von Gott,  dem Großen Koordinator. Das können Projekte zur Optimierung der Community-internen Abläufe sein (z.B. Einrichtung einer Großküche oder eines Werkzeugpools). Und das können Projekte sein die anderen dienen (z.B. Mitarbeit bei den »Tafeln«). Die Projekte werden mit Community Groupware organisiert und das garantiert flexible, spontane und wirklich ausglichene Lastverteilung. Nicht eine Person hat ein Projekt, sondern die ganze Community. Das entstresst, weil Personen ruhig auch ausfallen oder absagen dürfen.

Anfang: let us get started

Jemand könnte sich für diese Idee begestern und ein Haus in Gießen zur Verfügung stellen. Hört sich verrückt an, aber das darf es.

Es gibt unterschiedliche Arten, wie sich Christen treffen um ihren Glauben an Gott gemeinsam zu leben: Kirchen, Gemeinden, Hauskreise, Klöster, Kommunitäten und andere. Zum Teil liegt es daran, dass Menschen unterschiedlich sind. Zum Teil an Defiziten bisheriger Kirchen und Gemeinschaften.

Hier was ich aktuell dazu denke: was heute eine gute, echte Form von gemeinsam gelebtem Glauben an den Gott der Bibel wäre. Kommentare hör’ ich gern, das ist hier alles noch in der Weiterentwicklung  …

Mobilität vs. Beziehung?

Ein großes Problem christlicher Gemeinden wie ich sie kenne: weil wir alle mobil sind und telekommunizieren können nutzen wir das auch kräftig. Und finden uns wieder in einem weitgespannten Netz vieler Beziehungen. Aber zumeist oberflächlicher Beziehungen mit nur einem selbst als ihrer Schnittmenge: meine Nachbarn und meine Familie, meine Gemeinde und mein Freundeskreis haben nichts miteinander zu tun als nur dass sie zu »mir« gehören.

Das ist nicht nur ein persönliches Problem. Als Problem vieler ist es das Problem des Kollektivs Gemeinde. In einer Gemeinde aus oberflächlichen Beziehungen gibt es wenig gegenseitige Hilfe, wenig Vobild-Haben, wenig Vorbild-Sein. Man lebt aneinander vorbei. Macht also Mobilität und TK einsam? Nicht zwingend, aber ein unweiser Umgang damit. Weniger könnte mehr sein. Hier ein paar Gedanken für eine Gegenentwicklung.

OpenPlace: ein Ort um gemeinsam zu leben

Es braucht einen Ort, der viele unserer bisher verstreuten Beziehungen integrieren und konzentrieren kann. Also christliche Gemeinde als ein Ort, der nicht primär Veranstaltungen anbietet, sondern die Möglichkeit einen Teil seines Lebens gemeinsam zu verbringen. Und zwar für alle Mitglieder der Gemeinde, unabhängig vom Alter. Andere Konzepte dagegen bauen nur eine Untergruppe in der Gemeinde auf (zum Beispiel: die Jugend), die dann eine intensivere Gemeinschaft haben kann.

OpenPlace: ein paar Ideen für die Praxis

Das Gemeindehaus bietet neben dem Raum für Veranstaltungen weitere Räume, die jeweils eine bestimmten Sinn im Rahmen des gemeinsamen Lebens haben.

  • Da gibt es einen großen »community room«, in dem sich jeweils all die finden, die im Moment nichts Spezielleres im gemeinsamen Lebens vorhaben. Hier stehen auch
    (kostenlose!) Freizeitangebote zur Verfügung wie etwa Internetterminals, Soda- und Kaffeebar, Kicker.
  • Da gibt es eine Gemeinschaftsküche und einen Raum für die gemeinsamen Mahlzeiten.
  • Da gibt es eine Werkstatt zum gemeinsamen praktischen Arbeiten, etwa für Fahrzeug-Reparaturen. Weil nicht jeder privat eine gut eingerichtete Werkstatt haben wird, ist so etwas ein positives Momentum, sich in das gemeinsame Leben einzubringen.
  • Da gibt es verschiedene kleine schallgedämmte Räume zum gemeinsamen theoretischen Arbeiten: gemeinsam für Schule oder Studium lernen, gemeinsam in der bibel lesen, gemeinsam Lieder schreiben oder üben und anderes mehr.
  • Da gibt es Stillarbeitsräume, so dass man nicht in seine eigene Wohnung verlegen muss nur weil man etwas zu tun hat, bei dem keiner helfen kann.
  • Auch könnte es Schlafräume geben: für unverheiratete Männer, für unverheiratete Frauen und später vielleicht auch weitere für Ehepaare und Familien. In diesen Schlafräumen hat zwar nicht jeder ein eigenes Bett, aber jeder kann einen Spind belegen und dort sein Schlafzeug unterbringen.
  • Gut wären auch Wohnungen, deren Küche, Sanitär- und Schlafräume mit den Gemeinschaftsräumen integriert sind. Wer hier dauerhaft wohnt, hat ein kleines Zimmer für seine persönlichen Gegenstände.

Das Arbeiten wird durch entsprechendes, community-finanziertes Equipment unterstützt:

  • gemeinsam genutzte schnelle Internet-Verbindung inkl. WLAN um eigene Notebooks anschließen zu können
  • Musikinstrumente
  • Kopierer, Drucker, Farblaser-Drucker, Scanner, Computer

Natürlich gibt es etliches zu lernen, bis eine solche community »funktioniert«. Zum Beispiel:

  • Aufräumen und Putzen in »Gemeinschaftsarbeit«. Am besten nicht strikt mit Plan, sondern spontan organisiert: das ergibt Flexibilität für jeden und weitere Möglichkeiten, einen verantwortlichen Umgang miteinander zu lernen.
  • Gemeinsame Mahlzeiten, denn es sind besonders gute Gelegenheiten für gemeinsames Leben sind.
  • In einem OpenPlace ist es möglich, miteinander offen und echt umzugehen. Aber man muss es auch lernen.
  • Effizient und zeitsparend leben, indem man die Synergien gemeinsamen Lebens ausnutzt. Zum Beispiel solche, die sich durch Zentralisierungen ergeben: gemeinsames Einkaufen, Großküche, gemeinsame Mahlzeiten.

OpenPlace als Einladung, Christ zu sein

Christen laden gerne andere ein, Christ zu werden. Weil sie ehrlich davon überzeugt sind, dass sie eine heile Beziehung zu Gott gefunden haben und dass dies das beste ist, was einem Menschen passieren kann. (Manchmal haben Christen auch andere Gründe zu missionieren, leider.)

Schwieriger ist oft, mit einladender Wirkung einzuladen. Christliche Gemeinschaften wirken von außen oft fremd, abgeschlossen, gesetzlich, traditionsbelastet. Leider oft zu recht. Was für Möglichkeiten gibt es, den christlichen Glauben unverbindlich und »unverfälscht« kennen zu lernen?

Ein OpenPlace bietet gute Voraussetzungen dazu: man kann die Räumlichkeiten tagsüber einfach für alle Menschen öffnen und sie am »echten, ungeschönten« gemeinsamen Leben von Christen teilhaben lassen. Alles Equipment und alle Räume stehen ihnen gleichermaßen und kostenfrei zur Verfügung. Christen kennen zu lernen wie sie sind lässt erkennen, ob ihre Beziehung zu Gott (von der Christen immer sprechen) wirklich so lebensverändernd und wertvoll ist.

OpenPlace als Treffpunkt von Christen

Ein OpenPlace würde wahrscheinlich schnell zu einem Treffpunkt von Christen werden, aus verschiedenen Orten und christlichen Gemeinschaften. So lernen sich endlich Christen benachbarter Orte und Gemeinden kennen und beginnen (hoffentlich) zusammen zu arbeiten. Ein OpenPlace mit seiner kostenfreien Möglichkeit, zu übernachten, ist sicher auch interessant für durchreisende Christen.