Inspirationen aus »The Connie Crothers Interview Part 1«:

  • Denkansatz: könnte es sein dass eine selbstkritische Beobachtung des eigenen Glaubenslebens und der eigenen Beziehung zu Gott diese Dinger blockieren und verhindern? Ganz so wie eine beurteilende, selbstkritische Bewertung der eigenen musikalischen Performance verhindert dass echte Improvisation entsteht? Und ganz so wie die Anstrengung etwas richtig zu machen verhindert dass flow state entsteht?
  • Hilfen um zum musikalischen Improvisieren im flow state zu gelangen sind: Entspannungstechniken, Stress Management, Atemtechniken, Körperbewusstsein, Improvisationen großer Künstler mitsingen um das »flow state feeling« nachempfinden zu lernen, meditatives und dann emotional expressives und dann improvisierendes Spiel über einfachsten Melodien, das »Hören auf die innere Musik« und sie nicht zurückzuhalten führt zur Dauerhaftigkeit des »inspirierenden Moments«.
  • Analog sind eventuell folgende Dinge hilfreich um zu einer Beziehung zu Gott im flow state zu gelangen: kein beurteilendes Denken ob man eine »richtige« Beziehung zu Gott hat oder ob man überhaupt eine Beziehung zu Gott hat (»Lebe einfach!«); seine Gefühle, Gedanken und Intuition vor Gott ausleben statt sie aus Angst vor Fehlern selbstkritisch zurückzuhalten; wiederholtes Leben eines einzigen trivialen Lebensaspekts bis dies »flow state« wird; Biografien und Geschichten lesen von solchen die eine solche Beziehung zu Gott hatten.
  • »Any kind of judgmental thing is the ego, taking over, wanting to run the show actually.« (Connie Crothers in »The Connie Crothers Interview Part 1«).
  • Einziges Problem bei der Akzeptanz von flow state als »default state« des (Glaubens-)Lebens bisher: es ist ein »axiomatischer« Bereich der nicht beweist real zu sein (statt nur eine Uminterpretation der Erfahrungen). Vielleicht lohnt sich das Experimentieren damit trotzdem, denn es könnte sein dass sich dieser »Selbstbeweis« nach einiger Zeit einstellt durch Bezüge zur sonst erlebten Realität.

Was ist Geist? Grundsätzliche Alternativen: eine nichtmaterielle Substanz in einer Parallelwelt; oder, Sinnhaftigkeit i.S.v. auf materiellem Substrat implementierbare aber unabhängig davon existentes »ordnendes Sein«, »Information«.

Die Bezeichnung »Logos« für Jesus und Gott deutet darauf hin dass diese letztere Alternative korrekt ist. Das Problem dabei ist üblicherweise: man findet keine Erklärung für die Existenz von Personen, denn man kann sie sich ja nicht als unteilbare »Entitäten« aus geistlicher Substanz vorstellen.

Eine Lösung für dieses Problem ist: man darf sich »Person« nicht als »atomare Einheit des Geistlichen« vorstellen. Schon deshalb nicht weil es eine denkfaule, naive Beschreibung für das Nicht-Erkannte ist. Stattdessen: »Person« ist die Konzeptualisierung für bestimmte eigenstabile, selbstbezogene geistige Systeme (bzw. »Informationssysteme«). So etwas wie »freischwebende Programme« – materielles Substrat (ein Körper, ein Gehirn) kann zu ihnen gehören, muss aber nicht. So fordert man nicht die Existenz geistlicher Substanz sondern bloß dass Information »unkodiert« (d.i. ohne materielles Substrat) existieren kann. Diese Forderung bietet natürlich gleichzeitig eine Erklärung für das Weiterleben nach dem Tod. Körperlose Personen (»freischwebende Programme«) können zwar existieren aber nicht oder nur eingeschränkt mit anderen Personen wechselwirken. Deshalb vermutlich die Existenz der Materie. Zusätzlich muss man fordern dass sich unkodierte Information trotzdem auf das Materielle auswirken kann … sonst könnte Gott nichts im materiellen Bereich tun.

Somit wird hier für »Person« als Modell angenommen: eine Person ist aus »Informations-Atomen« aufgebaut, beim Menschen ist dies komplett abgebildet im Gehirn. Das ist ein neuartiges Modell weil erstmals Person nicht mehr als Entität gesehen wird sondern in ähnlicher Weise als zusammengesetzte Struktur wie ein »Körper« im materiellen Bereich.

Und nun: »Gott ist Geist« bedeutet dann auch dass Gott solch ein (meist körperloses) eigenstabiles selbstbezogenes geistiges System ist. Das sich gleichzeitig in drei Personen ausdrückt (mehrpersonale Einheit, beschrieben durch die Trinität).

Fragt sich nun noch was Materie ist: es spricht nichts dagegen sie zu betrachten als als »Erscheinungsform des Geistigen die zur freien Verfügung steht«, quasi etwas das Gott beständig in gleicher Weise zur Verfügung stellt so dass etwas wie »Welt« darin stattfinden kann, etwas das unabhängig ist von Gott. Dieser Vostellung liegt dann die Annahme zugrunde dass Gott nichts außerhalb seiner selbst schaffen kann.

Oder, alternativ: die Annahme dass es auch Geist außerhalb Gottes geben kann ist besser. Das ist problemlos denkbar, denn Geist ist nichtmateriell und kann also beliebig aus dem Nichts entstehen. Somit wird einfach ein unendlich großes »Geist-Universum« postuliert in dem beliebig viele eigenstabile geistige Systeme existieren können – wieder problemlos denn auch für unendlich viel Geist wird keine Materie benötigt. Somit können andere Geister getrennt von Gott existieren (menschliche Geister, Dämonen usw.). Und es spricht dann auch nichts dagegen die Materie als eigenstabiles (aber nicht selbstbezogenes!) geistiges System zu betrachten: auch Materie ist Geist; Materie ist nicht selbstbezogen weil strukturlose Materie, sich selbst überlassen, nicht zur Selbstbeobachtung tendiert (2. Hauptsatz der Thermodynamik). Nur andere geistige Systeme die einen materiellen Bestandteil haben (Menschen, Tiere usw.) können Materie beobachten; die Materie dient ihnen als »Middleware«: als Schnittstelle zwischen Geist.

Wichtiger Forschungsbereich zur Überprüfung dieser Theroie: Geist-Materie-Interaktion. Postuliert wird ja dass reiner Geist gestaltende Wirkung in Materie haben kann (was z.B. bei dämonischer Besessenheit auftreten würde indem Programmierung und Struktur im Gehirn durch einen dämonischen Geist geändert werden.)

Diese Theorie hat interessante Implikationen auf das Selbstbild: man sieht sich nicht mehr als unteilbare Einheit sondern als hochkomplexes System, aufgebaut aus Bestandteilen die selbst keine personalen Eigenschaften haben.

Außerdem hat sie interessante Implikationen auf das biblische Konzept »Fleisch«. Denn: nach dieser Theorie ist die Programmierung des Gehirns der Zustand des Geistes. Eine moralisch böse Programmierung des Gehirns ist also gleichbedeutend mit einem moralisch bösen Zustand des Geistes. Und den Heiligen Geist zu haben ist dann etwas wie eine vom Menschen untrennbare gute Komponente, stellvertretend gut und auch so dass der Mensch Schritt um Schritt durch diesen neuen guten »Kern«, dieses »unlöschbare gute Programm« geheiligt wird.

Den Unterschied zwischen Massentierhaltung und Leben in freier Natur gibt es auch bei Menschen. Es ist der Unterschied zwischen einem Leben dessen Tätigkeiten vordefiniert und wertlos sind, und einem Leben das aufregend schön und nützlich ist und Alleinstellungsmerkmale hat (Leben als Kunstform). Begegnet man Menschen in Massenhaltung so frage man sich wie man sie befreien kann. Wie öde ist es doch zum Beispiel, vor einer katholischen Kirche in Manila Kerzen zu verkaufen. And perhaps God would say: Is this what I made you for? Es geht gar nicht einmal zuerst darum, die Zeit bis zum Tod »sinnvoll« zu nutzen und »Gutes« zu tun. Denn ohne Tod gäbe es keinen Mangel an Zeit und ohne das Böse keinen Mangel an Gutem. Es geht darum: Gottes Ebenbild zu sein statt durch das eigene Beispiel ein falsches Bild von Gott zu erwecken.

Da gibt es Menschen die aus der Existenz von Korrelaten zwischen Hirnfunktionen und seelischen Eigenschaften (Bewusstsein, religiöses Erleben, …) folgern, die starke Form des Materialismus habe gesiegt (»Der Preis der Selbsterkenntnis«, Gehirn & Geist, 7-8/2006).

Materialismus behauptet, es gebe nichts als Materie. Das ist: es gebe keinen Unterschied zwischen geordneter und ungeordneter Materie, denn beides ist »nur« Materie. Das ist: es gebe keine Ordnung als ontologische Größe, sondern Ordnung sei ein Zufallsprodukt geringer Wahrscheinlichkeit.

Nun aber. Es mag sein dass richtig ist: es gibt nichts wenn es keine Materie gibt. Materie ist das einzig mögliche Material (»Substrat«). Wenn es Geist gibt kann er also auch nur in Materie realisiert sein, d.i. eine eigenstabile Ordnungsform der Materie. Geist wäre in Materie realisiert, könnte aber nie von Materie hervorgebracht werden (weil es, empirisch beobachtbar, keine materiellen Prozesse gibt die Komplexität erzeugen). Das heißt: Geist hat keinen materiellen Ursprung, ist also ewig; also ist auch die Materie ewig, denn Geist braucht Materie als Substrat: ohne Materie gäbe es keinen Geist.

Es ist derzeit keinesfalls erkennbar ob Geist tatsächlich rein materiell realisiert ist oder aber aus eigenem, nichtmateriellem Material gebaut ist (sozusagen ein Geist-Paralleluniversum mit eigenen Naturgesetzen, orthogonal zum materiellen Universum existent). Aber: diese materialistische Theorie des Geistes zeigt dass keine Erkenntnis der deskriptiven Neuroanthropologie beweisen kann dass Geist als eigenständige, nichtmaterielle Größe nicht existiert. Um das zu beweisen muss gezeigt werden dass Geist aus Materie spontan entstehen kann: man muss die Evolution des Menschen im Labor wiederholen. Bis dahin ist nichts bewiesen.

Diese meine materialistische Theorie des Geistes gibt der Materie eine enorme Bedeutung: sie ist schon ewig Träger des Geistes, der Geist ist auf ihre Existenz angewiesen. Würde das bedeuten dass auch Gottes Geist materielles Substrat braucht?

Außerdem hat diese Theorie interessante Implikationen auf das Verständnis des Menschen und das Verständnis des biblischen Menschenbildes: »Seelisches« ist nicht minderwertig weil wir erkennen können auf welchen Neurotransmittern Emotionen beruhen; sondern Emotionalität ist etwas Nichtmaterielles, genauso hochwertig wie Philosophie. Typisch weibliche und männliche nichtmaterielle Leistungen haben also keinen unterschiedlichen Wert.

Siehe auch: naturgesetzliche Informationstheorie von Werner Gitt.

Es scheint Gott sehr wichtig zu sein dass diese Welt »selbständig« funktioniert. Sonst hätte er das Biosystem nicht eigenstabil geschaffen und nicht den Aufwand treiben müssen, den Menschen so zu schaffen dass er sich selbständig vermehren kann. Die Alternative wäre gewesen dass Gott jeden neuen Menschen wieder selbst erschafft. Da er das im materiellen Bereich nicht tut sollte man annehmen dass er es im geistlichen Bereich auch nicht tut, d.h. Gott erschafft nicht den Geist bei der Entstehung eines Menschen. Soll heißen, wahrscheinlich ist der Geist des Mensche eine Emergenz des Gehirns, d.h. materiell implantiert.