Eine meiner großen Fragen im Moment: was ist eine emotional gesunde Beziehung zu Gott? Natürlich sehne ich mich nach einer engen, vertrauten Beziehung zu Gott. Aber es würde zu Katastrophen führen, das durch produzierte Emotionalität zu versuchen, zu pushen, zu imitieren: wenn man durch rein psychologische und soziale Effekte produzierte Emotionalität gegenüber Gott für eine nahe und intensive und vertraute Beziehung zu Gott hält. Solch eine geheuchelte Emotionalität finde ich widerlich, eklig. Genauso wie geheuchelte soziale Nähe: widerlich, abstoßend, gefährlich. Man macht sich verletzlich ohne dass der Raum dafür da ist: man wird verletzt werden weil längst nicht soviel Liebe untereinander herrscht wie die geheuchelte soziale Nähe vorgibt.

Also, wie führt man eine emotional gesunde und gleichzeitig emotional intensive Beziehung zu Gott? Oder anders: welche richtige Rolle haben soziale Effekte nach der Bibel in Beziehungen – entsteht gegenseitige Liebe wenn man viel Zeit miteinander verbringt oder ist es eine übernatürliche Gabe des Heiligen Geistes?

Ich sehe in der Realität offene Fragen die ich nicht beantworten kann: der gesamte Theodizee-Komplex, dieser Zusammenhang zwischen Gottes Gutsein und dem Vorhandensein von Leid. Problematisch ist dass es in mir immer wieder die Frage aufwirft ob Gott wirklich gut ist. Und das Schlimme ist dass ich sie nicht beantworten kann: es gibt Erklärungsmöglichkeiten in beide Richtungen und ich komme nicht weiter darin, die richtige dieser Möglichkeiten herauszufinden.

Habe Gott dieses Anliegen genannt und bin noch während des Betens auf einen interessanten Gedankengang gekommen: offensichtlich reichen Beobachtungen der Realität für Schlussfolgerungen über Gottes Charakter nicht aus; denn ich beobachte und konnte daraus bisher nicht ableiten ob Gott nun einen durch und durch guten Charakter hat oder nicht; denn es gibt Modelle in beide Richtungen die die Realität gleich gut erklären können.

Nun muss es mich aber gar nicht quälen wie bisher dass ich durch meine Beobachtungen keine Antwort finde. Denn offensichtlich muss ich gar nicht weiter danach suchen: aus den Beobachtungen der Realität lässt sich keine eindeutige Antwort ableiten. Statt auf Beobachtungen muss ich mich also auf zuverlässige Aussagen anderer verlassen.

Das also ist der Grund, Jesus’ Aussagen über Gott, seinen Vater zu glauben: weil wir diese Informationen nicht aus empirischen Beobachtungend er Realität erhalten können. Jesus stellt seinen Vater als durch und durch gut, liebevoll, geduldig dar. Und warum sollte ich glauben was Jesus sagt? Weil er durch seine Wunder bewiesen hat dass er Gottes Sohn ist (er hat also die betreffenden Informationen über Gott) und ich ihn aufgrund seines Lebenswandels für eine zuverlässige Person halte. So wie und weil ich zuverlässigen Menschen glaube, glaube ich Jesus.

Jesus spricht über dieses Problem ganz explizit in Joh.14,9-14: er selbst bringt uns Menschen die notwendigen Informationen über Gott, den Vater; seine Worte (als Worte einer integren, zuverlässigen Person) sind Grund ihm zu glauben; und wer ihm nicht aufgrund seiner Worte glauben will, für den sind seine Wunder (als Beweis dass er selbst ein guter Gott ist, der Sohn seines Vaters) Grund ihm zu glauben.

Heute mit Joachim darüber produktiv diskutiert. Worum es ging:

Es ist eine Beobachtung dass Gott offenschtlichn nicht vorhat, die Probleme dieser Welt durch Wunder auf einen Schlag zu lösen – denn es geschieht nicht wenn man betet. Vielleicht 99,5% aller Dinge geschehen nach den Gesetzen die dafür gelten.

Das bedeutet für Gutestun als Auftrag von Christen: man darf und sollte die dafür geltenden Gesetzmäßigkeiten nutzen statt alle Weisungen und Mittel konkret von Gott zu erhalten. Zu diesen Gesetzmäßigkeiten gehört, seine Kraft so einzusetzen dass das Ergebnis maximal gut wird: im Moment scheint mir dass eher ein organisatorisches Medium gebraucht wird um Gutestun zu koordinieren statt einzelne weitere kleine Beiträge zum Gutestun selbst. Mit solch einem Medium wäre es möglich dass Gutes maximalen Effekt hat (Dokumente mit Anleitungen zum Download usw.) und dass alle Möglichkeiten Gutes zu tun genutzt werden können weil man die Möglichkeit hat herauszufinden was man gerade Gutes tun kann mit dem was man kann oder übrig hat.

Und für das persönliche Leben mit Gott bedeutet das: konkrete Weisungen sind selten und unerwartet. Im Normalfall ist man also darauf angewiesen selbst zu entscheiden – unter der Leitung des Heiligen Geistes, ja, aber diese ist oft unspürbar und nicht selbst von den eigenen Gedanken unterscheidbar. Statt in einzelnen Situationen also um konkrete Leitung zu beten sollte man unverkrampfter herangehen: entscheiden auf der Grundlage dessen was man schon im Leben mit Gott gelernt hat; vielleicht reicht das nicht für eine wirklich gute Entscheidung, aber das ist nicht schlimm.

Und für Gemeinde bedeutet das: Gemeinde, Leib Christi, bezeichnet die Gesamtheit aller Gläubigen, unabhängig davon ob sie sich treffen oder nicht. Gemeindezusammenkünfte waren die spontane und logische Konsequenz des Gläubigwerdens: sie sind in keiner Weise befohlen, erzwungen oder in ihrer Form engeschränkt. Gemeinde ist die Art, wie sich Glaube auf das Leben auswirkt: Wunder sind nicht an der Tagesordnung, aber gegenseitige Liebe. Gemeinde ist die Art, wie Gläubige sich durch gegenseitige und Gottes Hilfe bemühen, den Rest des Lebens auf der Erde möglichst gut zu gestalten. Also dann, da herrscht viel Gestaltungsfreiheit. Man kann sich auch anders und intensiver helfen und kann und darf das Gemeinde nennen. Zum Beispiel in Form einer power community als Kern einer Gemeinde: Hilfe in allen Dingen, Leben miteinander, Leben füreinander und für andere, leistungsstark durch kreative, sinnvolle und mutige Verwendung von Technik.

Es scheint dass viel mehr als ich bisher dachte von Menschen selbst gelöst werden muss und kann. Ist auch en Übungsfeld für gute Werke. Also: Gott ist längst nicht für die Lösung aller Probleme zuständig. Beten hilft nicht gegen alle Problemumstände.

Das bedeutet andererseits: viel mehr als ich bisher angenommen habe ist der menschlichen Kreativität überlassen. Zum Beispiel wäre es voll OK, mit neuer IT in Gemeine zu experimentieren. Und auch, dabei viele Fehler zu machen bis man bei guten Lösungen anlangt.

Wer das Leben stressig und wenig schön findet muss oftmals einfach erkennen dass Genießen eine Tätigkeit ist. Eine Fähigkeit die wir als Menschen von Gott erhalten haben. Wenn und weil Gott will dass wir leben dann bedeutet das auch dass er will dass wir diese Fähigkeit einsetzen. Und das ist eine Tätigkeit: nicht was uns begegnet macht den Genuss in unserem Leben aus sondern was wir tun. Dass Gott will dass wir leben ist ein Potential das er uns gibt – leben, also dieses Potential nutzen müssen wir schon selbst.

Ein paar Dinge die mich Gott heute wieder gelehrt hat, weil ich das wieder mal brauchte. Ich lernte diese Dinge mittels des Films »called to be free«, der von der Umkehr der »Worldwide Chrurch of God« (http://www.wcg.org) zum Glauben an Jesus Christus berichtet.

  1. Immer wenn sich religiöser Stress breitmacht sollte man sich daran erinnern dass man durch Jesus Christus Gott gefällt ohne selbst etwas getan zu haben oder tun zu müssen.
  2. Immer wenn man unzufrieden ist dass man gerade so wenig für Gott tun kann (wie ich gerade in der Zeit meiner Diplomarbeit) oder dass man ein »Versager« ist der es nicht schafft gut zu leben und es nicht schafft alles in seinem Leben unterzubringen was da hineingehört (wie ich …). Dann sollte man sich daran erinnern dass ich Gott gefalle ohne Werke. Abendmahl ist, sich daran zu erinnern, und Gottesdienst ist, das zu feiern.
  3. Wenn Gott mich gebrauchen will, kann und wird er das tun. Meine momentanen Umstände (in denen ich wenig Zeit und Gelegenheit habe Gott zu dienen und das ganze so leicht zum Stress wird) hindern Gott nicht. Ich sollte mich also zurücklehnen und relaxed warten was Gott mit mir vorhat. ER kann einen langfristigen Zeitplan haben weil er langfristiges Gelingen sicherstellen kann – wir können oft nicht mal etwas Kurzfristiges gelingen lassen. Es war so cool zu sehen wie Gott in jahrelangen kleinen Schritten die Worldwide Church of God verändert hat.

Datum: 2006-03-04

Ein großes Thema 2005 war für mich, möglichst genau herauszufinden was Gott für einen Charakter hat. Habe an mir selbst und an Gemeindeformen gemerkt, wie falsche Vorstellungen von Gott zu einem verkrampften Christsein führen. Ergebnis dieser Suche waren viele neue gute Erfahrungen mit Gott und ein Artikel den ich zu diesem Thema geschrieben habe.

Dieser Artikel fasst sich so zusammen: »Vom falschen Gottesbild mancher Christen und dem Leiden daran. Ein Plädoyer für das richtige Gottesbild, eine engere Beziehung mit Gott und echte Beziehungen unter Christen.« Er ist noch nicht vollständig und wohl auch nicht vollständig richtig, aber brauchbar. Ach ja, und ich bin dankbar für alles konstruktive Feedback von euch.

So, jetzt die Links zum direkten Download, in zwei alternativen Formaten (verwendet das PDF-Format wenn euer Browser Probleme mit den Unicode-Sonderzeichen im HTML-Format hat):