Ein großes Thema 2005 war für mich, möglichst genau herauszufinden was Gott für einen Charakter hat. Habe an mir selbst und an Gemeindeformen gemerkt, wie falsche Vorstellungen von Gott zu einem verkrampften Christsein führen. Ergebnis dieser Suche waren viele neue gute Erfahrungen mit Gott und ein Artikel den ich zu diesem Thema geschrieben habe.

Dieser Artikel fasst sich so zusammen: »Vom falschen Gottesbild mancher Christen und dem Leiden daran. Ein Plädoyer für das richtige Gottesbild, eine engere Beziehung mit Gott und echte Beziehungen unter Christen.« Er ist noch nicht vollständig und wohl auch nicht vollständig richtig, aber brauchbar. Ach ja, und ich bin dankbar für alles konstruktive Feedback von euch.

So, jetzt die Links zum direkten Download, in zwei alternativen Formaten (verwendet das PDF-Format wenn euer Browser Probleme mit den Unicode-Sonderzeichen im HTML-Format hat):

 

Es mag sein, dass einem der Glaube durch viele Ablenkungen usw. ziemlich unbedeutend geworden ist. Das ist selbst kurz nach einer Zeit möglich, in der man die Beziehung zu Gott ganz intensiv und als großartig erfahren hat. Wie kann man dahin zurückkommen? Natürlich, wenn Sünden im Weg stehen muss man diese bekennen. Von Gottes Seite aus ist der Weg dann offen. Was aber, wenn einem die Beziehung zu Gott dann immer noch so unbedeutend erscheint? Dann liegt es einfach daran, weil man Gott nicht mehr richtig kennt. Sonst würde man IHN ehrlich bewundern können und es läge einem daran, die enge Beziehung zu Gott zu pflegen und zu halten. Ehrliche Bewunderung für Gott ist der Neubeginn der engen, nah erlebten Beziehung zu Gott. Man mache nicht den unechten, geheuchelten Versuch, einfach so zu tun als sei die Beziehung zu Gott wieder großartig. Sondern man bekenne Gott, dass man ihn nicht mehr richtig kennt, ihn nicht mehr bewundern kann. Und bitte IHN, sich einem neu zu offenbaren. Dann bemühe man sich, Gott kennenzulernen, bis man wieder zu echter Bewunderung zu Gott gelangt.

Ein Despot, das ist ein allmächtiger Willkürherrscher der sich quasireligiös verehren lässt. Einige Menschen, die an den Gott der Bibel glauben, haben solche Vorstellungen von ihrem Gott. Dass Gott willkürlich Lasten und Strafen auferlegt, ebenso willkürlich und »gnädig« sie wieder nimmt mit dem Ziel, dafür verehrt zu werden. Oder dass Gott Geschenke macht, sie dann wieder nimmt und sagt: Hey, lerne dass ICH viel wichtiger bin als meine Geschenke.

Gleichzeitig versuchen diese Menschen zu glauben dass Gott gut ist. Dass er aus Liebe handelt auch wenn es despotisch aussieht. Ihr ahnt dass echtes Vertrauen zu Gott hier nie aufkommen kann, immer nur ein erzwungenes Pseudo-Vertrauen bleibt? Richtig geahnt. Folks, ich spreche aus Erfahrung.

Und wie ist Gott wirklich? Dieser Artikel behandelt nur ein kleines Detail davon. Die Beobachtung, dass manche Übersetzungen der (ursprünglich griechischen) Texte der Bibel den Eindruck vom despotischen Gott vermitteln, manche nicht.

Es ist schon ein paar Wochen her, da las ich einen Satz aus der Bibel der oft für dieses Paradoxon vom guten Despoten herhalten muss (wen’s interessiert: Johannesevangelium Kapitel 15 Vers 2). Ich kenne Menschen, die diesen Vers auf Situationen schwerer Krankheit anwenden und dabei ehrlich denken oder denken wollen: Gott tut mir Gutes, indem er mir diese schwere Zeit geschickt hat.

Ich selbst finde es unmöglich, mit solch einer Vorstellung Gott zu vertrauen: wenn Gott selbst und aktiv all das Schlimme in unserem Leben als Gutes schickt. So hat mich dieser Satz wieder zum Nachdenken gebracht: ist Gott wirklich so?
Das erste was ich dazu las war dann ein anderer Text aus der Bibel, in der Übersetzung »Elberfelder 1905«:

»6 Denn der Gott, der aus Finsternis Licht leuchten hieß, ist es, der in unsere Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi.
7 Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf daß die Überschwenglichkeit der Kraft sei Gottes und nicht aus uns.
8 Allenthalben bedrängt, aber nicht eingeengt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg;
9 verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht umkommend;
10 allezeit das Sterben Jesu am Leibe umhertragend, auf daß auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde.
11 Denn wir, die wir leben, werden allezeit dem Tode überliefert um Jesu willen, auf daß auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleische offenbar werde.
« (Zweiter Brief von Paulus an die Korinther, Kapitel 4, Verse 6 bis 11, nach der Bibelübersetzung »Elberfelder 1905«)

Das ist jetzt leider eine 100 Jahre alte Übersetzung eines fast 2000 Jahre alten
Textes und deshalb schwierig zu verstehen. Aber egal ob der Eindruck vom despotischen Gott ein Missverständnis dieses Textes ist oder nicht, wer diesen Text in der Übersetzung »Elberfelder 1905« liest (und viele verwenden die heute noch), wird wohl folgenden Eindruck bekommen:

»(Vers 6:) Als Menschen die wir Gott kennen (Vers 7:) sind wir trotzdem schwach und gebrechlich mit dem Ziel dass deutlich wird: nicht wir haben Kraft sondern Gottes Kraft wirkt in unserem Leben. Das ist Gottes Ziel, er hat es also extra so eingerichtet dass wir schwach und gebrechlich sind. (Verse 8-11:) Das wirkt sich dann so aus, dass Gott uns in viele Situationen bringt in denen wir nicht mehr aus noch ein wissen, dem Tode und der Verzweiflung nahe sind. Dann hilft uns Gott mit seiner Kraft um zu zeigen dass ER der Allmächtige ist und wir ein Niemand.«

Ich fand es schockierend, sollte das die Wahrheit sein. Mir ging erst ein Licht auf, als ich den Text mal in einer ganz anderen Bibelübersetzung gelesen habe, der »Bible in Worldwide English«. Da klingt es so:

 

»6 God said, ‘Let light shine in the darkness.’ And he has let light shine in our hearts too. He gave us light that shows how bright and wonderful God is. We see this light when we look at the face of Christ.
7 This is something of great value within us, but we are like pots made of earth and clay. This power is greater than any other power. But it comes from God, not from us.
8 We have much trouble, but we do not give up. We are in hard places, but help always comes.
9 People trouble us, but God is always with us. We are beaten, but we are not killed.
10 We always feel as if our body is dying, just as Jesus died. Then the life of Jesus also can be seen in our body.
11 While we live we are always ready to die for Jesus. And so the life of Jesus is also seen in our bodies which will die.« (Zweiter Brief von Paulus an die Korinther, Kapitel 4, Verse 6 bis 11, nach der Bibelübersetzung »Bible in Worldwide English«)

Das klingt doch anders: Leid ist, was Menschen einander zufügen. Schwachheit ist der Normalzustand von Menschen. Gott ist gegen beides und hilft deshalb.

Damit habe ich nun noch nicht gesagt welches Verständnis nun richtig. Nur aufgezeigt, wie sich die Vorstellungen von Gott zwischen Bibelübersetzungen unterscheiden. Gott ist nicht der Elberfelder Gott oder der Gott in Worldwide English. Niemand von uns sollte sich von einer einzigen Bibelübersetzung von einer Beziehung zu Gott abschrecken lassen oder sich zu einer verkrampften Beziehung zu Gott zwingen lassen.

Um Gott kennen zu lernen wie er wirklich ist müssen wir ihn schon selbst kennenlernen!

UnBeziehung ist Beziehung wie sie nicht sein sollte. Entweder weil sie gar nicht vorhanden ist. Oder weil sie verklemmt und unecht ist. Beides gibt es auch in der Beziehung von Menschen zum Gott der Bibel.

Hier ein Beispiel für so eine unnötig verklemmte Beziehung zu diesem liebenden Gott. Es illustriert das Abkrampfen, selbst zu versuchen was dieser Gott schenken möchte. Ein Gott von dem die Bibel berichtet dass er eine große und übernatürliche Kraft hat, dass er Menschen liebt und sich sehr wünscht dass Menschen kommen und ehrlich sagen was sie nicht haben, nicht sind, nicht können und was sie brauchen.

Den Text des Beispiels habe ich in 2000 selbst geschrieben. Er fasst ein Buch zusammen (das hier ungenannt bleiben soll …) das ich damals gelesen habe. Und ehrlich: ja, ich hatte damals so eine »UnBeziehung« zu Gott. Noch immer lerne ich weiter an der guten Beziehung zu meinem Gott: Beschenktsein, Freude, Echtsein, Vertrauen, Hoffnung und … ja, ich glaube dass man Gott lieben kann.

Um nicht missverstanden zu werden nochmal deutlich: Der Rest dieses Artikels nicht meine Meinung sondern das Gegenteil meiner Meinung. Ich zitiere diesen Text um zu zeigen, wie eine Beziehung zum Gott der Bibel besser nicht aussehen sollte!

Beseitigung sündiger Gedanken

  1. Konstruktiven Plan (mit Nutzung von Gottes Hilfe) zur Abwehr satanischer Angriffe auf eigene Schwachstellen schaffen. Gegen: Hochmut; falschen Umgang mit Menschen (fehlende Nächstenliebe); Unabhängigkeitsstreben; Starrheit; Sturheit; Spaß an Lob, Beachtung und Überlegenheit; Reizbarkeit; Empfindlichkeit; Selbstgerechtigkeit; Eigenwille; Launenhaftigkeit; Missmut; Scheu vor Vorwürfen; Menschenfurcht; falsche Bescheidenheit; Vorspielung eines besseren Eindrucks; Unglauben und Mutlosigkeit in Bedrängnis; Gefühllosigkeit; Gleichgültigkeit gegenüber der Verlorenheit anderer. Die Schritte in diesem Plan sind:
    1. Lobpreis Gottes (mindestens dreimal täglich für den Sieg durch Christus) zur Gewohnheit machen
    2. Bestandsaufnahme, Gebet um Erkenntnis der Gründe der Niederlage
    3. Hingabe an Gott, Abgabe der letzten Entscheidungsbefugnis.
    4. Durch Glauben erkennen, dass die Bindung zur Sünde zerbrochen ist.
    5. Durch den Heiligen Geist Ego und Sünde ablehnen (den Heiligen Geist hat jedes Kind Gottes empfangen; Gott soll erste Priorität besitzen).
    6. Gott suchen, die Bibel lesen und der darin offenbarten Wahrheit gehorchen.
    7. Böse Gedanken durch gute (Gedanken an die Heilige Schrift) ersetzen, nicht krampfhaft zu vermeiden suchen.
    8. Abwendung von Irdischem: Nicht mehr danach streben, Erkenntnis Gottes und Liebe zu IHM ist der Lebenssinn. Die Zeit muss Dienerin der Ewigkeit sein. Sich für Gott und sein Wort einsetzen. Nichts soll im Leben mehr ohne IHN geschehen.
  2. Schlachtvorbereitung und Schlacht
    1. Zuchtvolle geistliche Kriegsführung: Konzentration auf Gott, Dynamik, Disziplin, morgens 20min stille Zeit.
    2. Ziele, Strategie und Waffen kennen.
    3. Durch auswendig gelernte Bibelverse Versuchungen bekämpfen.
    4. Vor dem Aufstehen IHM für die Ruhe danken und den Tag IHM übergeben; nach dem Aufstehen in der Bibel lesen, SEINE Verheißungen beanspruchen und sich auf spezielle Versuchungen des Tages vorbereiten.
    5. In der Versuchung schlechte Gedanken im Namen Jesu ablehnen, durch Lobpreis ersetzen und Bibelverse zitieren.
    6. Bekennen und Aufgeben von Sünde schützt gegen die satanische Waffe der Niedergeschlagenheit.
    7. Gefühle sind kein zuverlässiger Führer zu richtigem Handeln.
  3. Sonstiges
    1. Gottgefällige Lebensziele schaffen Harmonie zwischen eigenem und Gottes Willen. Wille zu Zielstrebigkeit mit aller Energie stärken, indem man sich Gott ausliefert und SEINE Kraft empfängt.
    2. Damit eine sündige Gewohnheit verschwindet, ist manchmal das Gebet der Gemeinde notwendig. Einzelgängertum im Glaubensleben ist Sünde.
    3. Man trägt immer selbst die Verantwortung für die Entscheidung, ob man Satans Einflüsterungen folgt. (Unterschied von Versuchung und Sünde)
    4. Durch die geistliche Waffenrüstung (es darf keine unvergebene Sünde geben!) hat man Macht über Satan. Durch Gebet, die Bibel und die geistliche Rüstung Satan abwehren (geistliche Rüstung anlegen).
    5. Selbstsicherheit, geistliches Abdriften und Kompromiss mit der Sünde sind Warnungen vor Fehlschlägen. Fehlschläge zeigen unsere Schwachheit. Im Gespräch mit Gott antwortet ER durch SEIN Wort.
    6. Geistliches Tagebuch als Hilfsmittel im Kampf gegen die Sünde führen (mit wöchentlicher Bilanz).
  • Die Wahrheit über Gott: wer und wie Gott ist. Am Beispiel Jesu, wie IHN die Evangelien darstellen.
  • Jesus kennenlernen: mit dem Effekt, IHN als Freund aufzunehmen, und die Freundschaft zu IHM die wichtigste Beziehung werden zu lassen, das Wichtigste überhaupt. Es ist meine Hypothese, dass eine solche Beziehung zum HERRN einfach das Resultat des ehrlichen Sich-Kennenlernens ist. Den HERRN sehen lassen wie ich bin, und den HERRN sehen wie ER ist, nicht wie ihn Geschwister mir vorgestellt haben. Außerdem ist meine These, dass Bewunderung (mein Wort für: Anbetung) ebenso das natürliche Resultat davon ist, den HERRN kennenzulernen wie ER ist: ein feiner Charakter. Es braucht keinerlei Anstrengung etwas zu sein was ich nicht bin; auch nicht das Bemühen ein »gebrochener Christ« zu sein. Warum sollte ich Gott bitten mich platt zu hauen? Nicht dieser Schmerz, sondern die Art wie Jesus ist macht mich zu SEINEM Bewunderer. SEINE liebevolle Art lässt mich meinen Stolz und Egoismus bereuen, nicht ein gewaltsames Zerbrochenwerden. Jesu Vorbild, das ich bewundere, motiviert mich, aus SEINER Kraft zu handeln, nicht ein harter Befehl. Ich will niemals etwas Geistliches tun weil ich es tun muss, sondern weil es Ausdruck dessen ist was ich bin, was ich will. Alles andere ist unecht, aufgesetzt, eingeübt. Was bestätigt diese These? Ganz einfach die Tatsache, dass »Zerbrochenwerden« im NT nirgends als normaler Bestandteil des geistlichen Lebens genannt wird, allenfalls als Bestandteil der Erziehung ungehorsamer Kinder.
  • Jesus bewundern: mit dem Effekt, IHN nachzuahmen.
  • Die Wahrheit über mich selbst: wer ich vor Gott bin. Solche »Echtheit« vor Gott beinhaltet Buße: das einfache Anerkennen wo ich gesündigt habe. Buße aber, sagt man, ist immer wieder der einzige Weg zurück in verlorene Gemeinschaft mit Gott.
  • Die Wahrheit über meine Beziehungen zu meinen Mitmenschen.
  • Echtheit in den Beziehungen zu meinen Mitmenschen lernen: einander als begnadigte Sünder begegnen.

Datum: 2005-03-08

Es gibt unterschiedliche Arten, wie sich Christen treffen um ihren Glauben an Gott gemeinsam zu leben: Kirchen, Gemeinden, Hauskreise, Klöster, Kommunitäten und andere. Zum Teil liegt es daran, dass Menschen unterschiedlich sind. Zum Teil an Defiziten bisheriger Kirchen und Gemeinschaften.

Hier was ich aktuell dazu denke: was heute eine gute, echte Form von gemeinsam gelebtem Glauben an den Gott der Bibel wäre. Kommentare hör’ ich gern, das ist hier alles noch in der Weiterentwicklung  …

Mobilität vs. Beziehung?

Ein großes Problem christlicher Gemeinden wie ich sie kenne: weil wir alle mobil sind und telekommunizieren können nutzen wir das auch kräftig. Und finden uns wieder in einem weitgespannten Netz vieler Beziehungen. Aber zumeist oberflächlicher Beziehungen mit nur einem selbst als ihrer Schnittmenge: meine Nachbarn und meine Familie, meine Gemeinde und mein Freundeskreis haben nichts miteinander zu tun als nur dass sie zu »mir« gehören.

Das ist nicht nur ein persönliches Problem. Als Problem vieler ist es das Problem des Kollektivs Gemeinde. In einer Gemeinde aus oberflächlichen Beziehungen gibt es wenig gegenseitige Hilfe, wenig Vobild-Haben, wenig Vorbild-Sein. Man lebt aneinander vorbei. Macht also Mobilität und TK einsam? Nicht zwingend, aber ein unweiser Umgang damit. Weniger könnte mehr sein. Hier ein paar Gedanken für eine Gegenentwicklung.

OpenPlace: ein Ort um gemeinsam zu leben

Es braucht einen Ort, der viele unserer bisher verstreuten Beziehungen integrieren und konzentrieren kann. Also christliche Gemeinde als ein Ort, der nicht primär Veranstaltungen anbietet, sondern die Möglichkeit einen Teil seines Lebens gemeinsam zu verbringen. Und zwar für alle Mitglieder der Gemeinde, unabhängig vom Alter. Andere Konzepte dagegen bauen nur eine Untergruppe in der Gemeinde auf (zum Beispiel: die Jugend), die dann eine intensivere Gemeinschaft haben kann.

OpenPlace: ein paar Ideen für die Praxis

Das Gemeindehaus bietet neben dem Raum für Veranstaltungen weitere Räume, die jeweils eine bestimmten Sinn im Rahmen des gemeinsamen Lebens haben.

  • Da gibt es einen großen »community room«, in dem sich jeweils all die finden, die im Moment nichts Spezielleres im gemeinsamen Lebens vorhaben. Hier stehen auch
    (kostenlose!) Freizeitangebote zur Verfügung wie etwa Internetterminals, Soda- und Kaffeebar, Kicker.
  • Da gibt es eine Gemeinschaftsküche und einen Raum für die gemeinsamen Mahlzeiten.
  • Da gibt es eine Werkstatt zum gemeinsamen praktischen Arbeiten, etwa für Fahrzeug-Reparaturen. Weil nicht jeder privat eine gut eingerichtete Werkstatt haben wird, ist so etwas ein positives Momentum, sich in das gemeinsame Leben einzubringen.
  • Da gibt es verschiedene kleine schallgedämmte Räume zum gemeinsamen theoretischen Arbeiten: gemeinsam für Schule oder Studium lernen, gemeinsam in der bibel lesen, gemeinsam Lieder schreiben oder üben und anderes mehr.
  • Da gibt es Stillarbeitsräume, so dass man nicht in seine eigene Wohnung verlegen muss nur weil man etwas zu tun hat, bei dem keiner helfen kann.
  • Auch könnte es Schlafräume geben: für unverheiratete Männer, für unverheiratete Frauen und später vielleicht auch weitere für Ehepaare und Familien. In diesen Schlafräumen hat zwar nicht jeder ein eigenes Bett, aber jeder kann einen Spind belegen und dort sein Schlafzeug unterbringen.
  • Gut wären auch Wohnungen, deren Küche, Sanitär- und Schlafräume mit den Gemeinschaftsräumen integriert sind. Wer hier dauerhaft wohnt, hat ein kleines Zimmer für seine persönlichen Gegenstände.

Das Arbeiten wird durch entsprechendes, community-finanziertes Equipment unterstützt:

  • gemeinsam genutzte schnelle Internet-Verbindung inkl. WLAN um eigene Notebooks anschließen zu können
  • Musikinstrumente
  • Kopierer, Drucker, Farblaser-Drucker, Scanner, Computer

Natürlich gibt es etliches zu lernen, bis eine solche community »funktioniert«. Zum Beispiel:

  • Aufräumen und Putzen in »Gemeinschaftsarbeit«. Am besten nicht strikt mit Plan, sondern spontan organisiert: das ergibt Flexibilität für jeden und weitere Möglichkeiten, einen verantwortlichen Umgang miteinander zu lernen.
  • Gemeinsame Mahlzeiten, denn es sind besonders gute Gelegenheiten für gemeinsames Leben sind.
  • In einem OpenPlace ist es möglich, miteinander offen und echt umzugehen. Aber man muss es auch lernen.
  • Effizient und zeitsparend leben, indem man die Synergien gemeinsamen Lebens ausnutzt. Zum Beispiel solche, die sich durch Zentralisierungen ergeben: gemeinsames Einkaufen, Großküche, gemeinsame Mahlzeiten.

OpenPlace als Einladung, Christ zu sein

Christen laden gerne andere ein, Christ zu werden. Weil sie ehrlich davon überzeugt sind, dass sie eine heile Beziehung zu Gott gefunden haben und dass dies das beste ist, was einem Menschen passieren kann. (Manchmal haben Christen auch andere Gründe zu missionieren, leider.)

Schwieriger ist oft, mit einladender Wirkung einzuladen. Christliche Gemeinschaften wirken von außen oft fremd, abgeschlossen, gesetzlich, traditionsbelastet. Leider oft zu recht. Was für Möglichkeiten gibt es, den christlichen Glauben unverbindlich und »unverfälscht« kennen zu lernen?

Ein OpenPlace bietet gute Voraussetzungen dazu: man kann die Räumlichkeiten tagsüber einfach für alle Menschen öffnen und sie am »echten, ungeschönten« gemeinsamen Leben von Christen teilhaben lassen. Alles Equipment und alle Räume stehen ihnen gleichermaßen und kostenfrei zur Verfügung. Christen kennen zu lernen wie sie sind lässt erkennen, ob ihre Beziehung zu Gott (von der Christen immer sprechen) wirklich so lebensverändernd und wertvoll ist.

OpenPlace als Treffpunkt von Christen

Ein OpenPlace würde wahrscheinlich schnell zu einem Treffpunkt von Christen werden, aus verschiedenen Orten und christlichen Gemeinschaften. So lernen sich endlich Christen benachbarter Orte und Gemeinden kennen und beginnen (hoffentlich) zusammen zu arbeiten. Ein OpenPlace mit seiner kostenfreien Möglichkeit, zu übernachten, ist sicher auch interessant für durchreisende Christen.

Die Bibel enthält Briefe aus dem ersten Jahrhundert. Einen davon hat ein Paulus an Christen in  Ephesus (in der heutigen Türkei) geschrieben. In Griechisch. Mir ist an einem Beispiel aufgefallen, dass sich die Übersetzungen deutlich unterscheiden; zumindest im intuiten Verständnis des darin vermittelten Gottesbildes.

Ich vergleiche hier Epheser Kapitel 1 Verse 3-6 in zwei Übersetzungen. In einer Übersetzung scheint mir Gott selbstherrlich, in der anderen mein freundlicher Vater.

Der Text in der Bibelübersetzung »Elberfelder 1905«

»Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christo, wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, daß wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe; und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesum Christum für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, worin er uns begnadigt hat in dem Geliebten,« (»Der Brief an die Epheser«, Kapitel 1 Verse 3 bis 6, nach der »Elberfelder Übersetzung 1905«)

Mein »natürliches« Verständnis dieses deutschen Textes ist in etwa so (OK, ich übertreibe etwas damit man mich nicht missversteht):

»Wir haben von Gott allerhand abstrakte Dinge bekommen, die man »geistlichen Segen« nennt. Dafür will Gott gepriesen sein, also müssen wir das auch tun. Manche Menschen (aus irgendeinem Grund gehören wir dazu) hat Gott vorherbestimmt dass sie sich vor ihm gut verhalten müssen; die anderen Menschen sind zur Hölle vorherbestimmt. Wir nun sind Söhne Gottes geworden: Gott wollte nämlich Söhne haben; aus nicht ganz selbstlosen Motiven, aber Gott kann eben ganz willkürlich tun was er will weil er Gott ist. Er will  nun nämlich deshalb »Söhne« haben, damit es Wesen gibt die seine Gnade loben. Gnade bedeutet dabei einfach: Gott hat Menschen nicht verdammt, einzig aus dem selbstherrlichen Grund, von ihnen gelobt sein zu wollen.«

Kein gutes Gottesbild, das mir mein Verständnis bietet! Meine Versuche, Gott trotz dieser Vorstellung von ihm zu vertrauen führten zu einem »erzwungenen« (Pseudo-)Vertrauen.

Der Text in der Bibelübersetzung »Bible in Worldwide English«

»Praise God, the Father of our Lord Jesus Christ! He has blessed us in Christ with every blessing which is in heaven, such as the Spirit gives us. Before the world was made, God chose us in Christ. He chose us that we should be holy and good before him. Because he loved us, he planned that we should be his own children. It is through Jesus Christ that we are God’s children. That is the way God wanted it to be. Praise him! His kindness is great and wonderful. We have been accepted by God through Jesus Christ, whom he loves so much.« (»Der Brief an die Epheser«, Kapitel 1 Verse 3 bis 6, nach der Übersetzung »Bible in Worldwide English«)

Hier ist mein natürliches Verständnis ganz anders, geradezu positiv. In ein paar Worten ist es so: mein Gott ist großartig, ist mein Dad der mich armen Wicht adoptiert hat, ist total freundlich und voll echter, selbstloser Liebe zu mir; Gott loben ist dann einfach die natürlichste Reaktion auf eine großartige Person.

Personal Note

Ich finde es schon etwas beängstigend, welche Unterschiedlichen Assoziationen durch zwei Übersetzungen desselben Inhalts geweckt werden. Was von den Übersetzern beabsichtigt ist und was Missverständnisse durch veraltetes Deutsch sind, kann und will ich hier nicht beurteilen. Mein Resultat ist hier nur, dass die Wahl der Bibelübersetzung eben doch wichtig ist!

Persönlich bin ich davon überzeugt, dass das Gottesbild nach meinem Verständnis der BWE das korrektere ist. Dieses (zuletzt genannte!) Gottesbild wünsche ich mir und jedem. Ein echtes, krampfloses Vertrauen auf einen guten, großartigen, freundlichen, liebenden Dad.

Probleme damit, Gott zu vertrauen, können einfach aus falschen Vorstellungen von Gott kommen. Wie die, die sich mir nach Lesen des Textes in der Elberfelder Übersetzung aufdrängten. Solche Probleme sind völlig gegenstandslos! C’m on, let’s get to know God!

Noch was: Wenn Du Gott kennenlernen möchtest und ihn darum bittest – dann hör’ nicht auf mit Bibellesen wenn Du meinst, Du würdest nichts mehr verstehen, sondern erst wenn Gott Dir wieder etwas von sich gezeigt hat. Das Vertrauen lohnt sich – meine Erfahrung für heute 🙂 Hatte die, ehrlich gesagt, auch wieder nötig.