Den Unterschied zwischen Massentierhaltung und Leben in freier Natur gibt es auch bei Menschen. Es ist der Unterschied zwischen einem Leben dessen Tätigkeiten vordefiniert und wertlos sind, und einem Leben das aufregend schön und nützlich ist und Alleinstellungsmerkmale hat (Leben als Kunstform). Begegnet man Menschen in Massenhaltung so frage man sich wie man sie befreien kann. Wie öde ist es doch zum Beispiel, vor einer katholischen Kirche in Manila Kerzen zu verkaufen. And perhaps God would say: Is this what I made you for? Es geht gar nicht einmal zuerst darum, die Zeit bis zum Tod »sinnvoll« zu nutzen und »Gutes« zu tun. Denn ohne Tod gäbe es keinen Mangel an Zeit und ohne das Böse keinen Mangel an Gutem. Es geht darum: Gottes Ebenbild zu sein statt durch das eigene Beispiel ein falsches Bild von Gott zu erwecken.

Nach der Bedürfnispyramide gehört es zum Luxus, eine eigene Identität zu finden und sie auszuleben, ununterscheidbar zu sein von allen anderen. Aber ist das nicht unsere »Berufung« durch Gott: unsere Gaben zu erkennen und damit zu dienen, und so zu einem unverzichtbaren Teil der Realität zu werden? In der Gemeinde zumindest gilt: wenn ein Glied leidet, so leiden alle anderen mit.

In der Natur tut jedes Wesen, was in der jeweiligen Situation für es selbst angemessen ist. Weil das Invariante der Situationen harmonisch ist (z.B. welche Tierarten es wo gibt) ist das Gesamtsystem in einem dynamischen Gleichgewicht, d.h. es gibt keinen Machtmissbrauch, keine Systemstörung durch Ausnutzung usw., das System »funktioniert«.

Zu tun was für einen selbst in der eigenen lokalen Situation gerade angemessen wird beschrieben inder Behavior Setting Theorie. Beispiele aus der Natur: Tiere essen Früchte von Pflanzen weil es für sie angemessen ist; und tragen damit zur Verbreitung der Samen dieser Pflanzen bei.

Wenn Natur aufgrund dieser regulierenden Mechanismen funktioniert (und nicht aufgrund eines Verbots den eigenen Vorteil zu suchen, sondern gerade dieses Suchen mit integriert) so ist es auch zulässig und vielversprechend Community als »Behavior Setting im dynamischen Gleichgewicht« zu entwerfen. Selbstlos gebende Liebe ist nicht das Funktionsprinzip in der Natur, muss es also auch nicht in der Community sein. Sondern: ein im Normalfall aufeinander abgestimmter Kreislauf von Geben und Empfangen.

Vielleicht sollte man statt einem subjektiven Maß ein pragmatisches Maß vorschlagen: tiefe Gemeinschaft ist dann wenn Menschen dadurch heiliger werden (oder werden könnten wenn sie wollen). Das nimmt viel von (übersteigerter?) Faszination aus den eigenen Gedanken über Gemeinschaft. Und erklärt viele Beziehungen z.B. in Gemeinde für »tief« obwohl sie im eigenen Eindruck nicht besonders tief sind. Anders ausgedrückt: die Tiefe einer Gemeinschaft sollte nicht an ihrer emotionalen Wirkung gemessen werden.

Habe heute zufällig (???; auf jeden Fall ohne danach zu suchen) eine Gruppe entdeckt die tatsächlich eine mobile Community sind: die Mobile Freak-Gemeinde. Ganz spannend sind die Videos auf dieser Site. Guys, seid ihr verrückt!!!

Außerdem entdeckt: dass es seit ein paar Wochen nun »ganz offiziell« eine Freak-Kommune in Portugal gibt … sie haben 50.000 m² Land kaufen können. Es soll eine Art Community-Anlaufstelle für nomadisch lebende Menschen sein. Siehe den Blog der Gründerin.

Vielleicht könnte ich die beiden Gruppen mal besuchen? Und mir vorher über guru.com Telearbeit besorgen so dass ich mich selbst versorgen kann und gut an jedem Ort Geld verdienen kann um diese Communities mit zu versorgen. Das wäre dann der Beginn meines »sinnlosen Herumreisens« bis ich erkenne was Gott für mich will bzw. wie ich in dieser Welt leben kann.

Web 2.0 ist Hype. Web 2.0 ermöglicht globale soziale Interaktionen. Das Problem: all diese Interaktionen sind transaktionszentriert statt beziehungszentriert. Und eine Software für globale soziale Interaktion kann nur transaktionszentriert sein, denn Menschen können aus Kapazitätsgründen nur sehr wendige (tiefe) Beziehungen führen, d.h. in einem zumindest logisch lokalen statt globalen Kontext.

Deshalb kann Web 2.0 nicht alles sein: es ist die Lösung für alle quasimechanisch lösbaren Probleme des Lebens, für alle kapselbaren Probleme. Beispiele: Antworten auf technische Fragen, ein Job, Möglichkeit zur Telearbeit, Tausch von Medien. Soweit, so gut. Das aber ist nicht das ganze Leben, auch wenn viele das Gegenteil versuchen. Sondern der Mensch selbst ist das Problem, und dieses Problem ist zu groß für eine Transaktion. Es braucht Beziehung, sozusagen eine Transaktion von zumindest mehrjähriger wenn nicht lebenslanger Dauer. Das ermöglicht es, in Menschen so zu investieren dass diese charakterlich und geistlich wachsen, dass diese geheiligt werden. So etwas ist immer eine nachhaltige, langfristige Aktivität, denn es ist eine Aktivität die nur sehr langsam Fortschritte macht. Einzelne Taten helfen Menschen nicht sondern gehen wieder im Rauschen unter. Man kann es auch als Umkehrung formulieren von »Wenn der Jünger aber vollendet ist so wird er sein wie sein Meister« (Jesus Christus): es frustriert den Meister wenn die Lernenden vorzeitig abspringen oder die Ausbildung vorzeitig endet.

Diesen zu Web 2.0 komplementären Bereich will ich versuchen duch eine Firma für »Community Technology« abzudecken. Oder sollte man besser sagen: »Relationship Technology Support«? Und selbst werde ich nur im Kontext langfristiger Beziehung (in einer Community von Freunden, z.B.) in Menschen investieren … alles andere ist sinnlos weil es im Alltagsrauschen untergeht.

Wage ich mich mal, ein wenig alternativ zu Community zu denken. Was ist die ideale Zahl Menschen in einer Beziehung? Das hängt davon ab was die ideale Beziehung charakterisiert.

Wenn das Verstehen und Verstandenwerden, Kommunikation, die Erfahrung des Geliebtseins, Stabilität und Treue sind: dann ist 2 die ideale Beziehungsgröße, denn es ist die intensivste mögliche Beziehungsform weil die Partner am meisten Zeit füreinander haben können. Denn die Zeit gilt nur einem Partner, muss nicht auf mehrere andere aufgeteilt werden.

Wenn das aber Charakterschulung, Dienst aneinander, gegenseitige Unterstützung, Kampf, Gemeindebau, Heiligung und Dynamik (»Verbesserung«, ausgehend von einer unbefriedigenden Gesamtlage) sind: dann ist eine deutlich höhere Zahl die ideale Beziehungsgröße. Denn hier gibt es viele unterschiedliche Begabungen, also auch mehr Synergien usw.. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein dass die Beziehungen der Community nie die Tiefe und das Verständnis erreichen werden wie es z.B. in einer Ehe möglich ist.