Diese Tage lerne ich den Alltag neu hassen. Das ist kein Leben, kein Zustand. Das ist Mangelernährung des inneren Menschen: Warum sehnt sich der Mensch nach Gemeinschaft? Und was ist Gemeinschaft überhaupt?

Gemeinschaft ist nicht einfach das Zusammensein oder Zusammenarbeiten von Personen. Sondern gelebte, erfahrbare Liebe, Liebe in »flow state«: gleichzeitig fordernd (zu lieben) und erfüllend (geliebt zu werden), zusammengenommen lebenswert, in sehr kurzen Zyklen, und den ganzen Tag erfahrbar. Und weil Liebe gut ist, weil Gott Liebe ist, deshalb sehnt sich der Mensch nach Gemeinschaft wo er Liebe erfährt.

Das Ideal für ein erfülltes, lebenswertes Leben ist »agape flow state«: Leben aus und von der Liebe, lieben und geliebt werden, für immer und ewig. Dazu ist Gemeinschaft notwendig, denn nur Personen können lieben. Vermutlich ist es dies was Gott von und für uns will, worin er selbst lebt und wonach er sicht sehnt: Gemeinschaft im Sinn von »agape flow state«. Und wenn in der Bibel steht dass die Liebe nie vergeht (1.Kor.13,8) dann bedeutet das: agape flow state for ever and ever.

Und deshalb sehne ich mich nach Community. Mittlerweile so sehr dass ich dafür jetzt auch alles Prestige im Beruf aufgeben würde / werde. Zum Beispiel könnte ich ja eine universitäre Karriere einschlagen und eines Tages Professor werden … aber ab heute gilt, ich tue so etwas nur wenn das mit Community problemlos kombinierbar ist. Prof sein macht das Leben nicht lebenswert, Community schon. Wenn das Community möglich macht werde ich mich freudig zufrieden geben mit einem prestigelosen IT-Beruf, etwa Programmierer in einer Community-eigenen IT-Firma. Egal, alles, wenn ich nur Leben erleben darf, d.i. erfahrbare Liebe in Community!!!!

1 Ein Gebet von Mose, dem Mann Gottes. Herr, solange es Menschen gibt, bist du unsere Zuflucht!
2 Ja, bevor die Berge geboren wurden, noch bevor Erde und Weltall unter Wehen entstanden, warst du, o Gott. Du bist ohne Anfang und Ende.
3 Du lässt den Menschen wieder zu Staub werden. “Kehr zurück!”, sprichst du zu ihm.
4 Tausend Jahre sind für dich wie ein einziger Tag, wie ein Tag, der im Flug vergangen ist, wie eine Stunde Schlaf.
5 Du reißt die Menschen hinweg, sie verschwinden so schnell wie ein Traum nach dem Erwachen. Sie vergehen wie das Gras:
6 Morgens sprießt es und blüht auf, doch schon am Abend welkt und verdorrt es im heißen Wüstenwind.
7 Ja, durch deinen Zorn vergehen wir, schnell geht es mit uns zu Ende!
8 Unsere Schuld liegt offen vor dir, auch unsere geheimsten Verfehlungen bringst du ans Licht.
9 Dein Zorn lässt unser Leben verrinnen – schnell wie ein kurzer Seufzer ist es vorbei!
10 Unser Leben dauert siebzig, vielleicht sogar achtzig Jahre. Doch worauf wir stolz sind, ist nur Mühe, viel Lärm um nichts! Wie schnell eilen die Jahre vorüber! Wie rasch fliegen sie davon!
11 Doch wer kann begreifen, wie gewaltig dein Zorn ist? Wer fürchtet sich schon davor?
12 Mach uns bewusst, wie kurz unser Leben ist, damit wir endlich zur Besinnung kommen!
13 Herr, wende dich uns wieder zu! Wie lange soll dein Zorn noch dauern? Hab Erbarmen mit uns, wir gehören doch zu dir!
14 Herr, schenke uns deine Liebe jeden Morgen neu! Dann können wir singen und uns freuen, solange wir leben!
15 So viele Jahre litten wir unter Not und Bedrückung; lass uns nun ebenso viele Jahre Freude erleben!
16 Zeige uns, wie machtvoll du eingreifst; auch unsere Kinder sollen deine mächtigen Taten sehen!
17 Herr, unser Gott! Zeige uns deine Güte! Lass unsere Mühe nicht vergeblich sein! Ja, lass unsere Arbeit Früchte tragen!

Psalm 90 nach »Hoffnung für alle«, Ausgabe 2002

Für ein einfaches Leben müssen nicht nur Technik und Beziehungen einfach sein, was für mich Environment und Community bedeutet. Sondern auch den Glauben haben wir durch unser theologisieren und theoretisieren viel zu kompliziert gemacht.

Man sollte nun darauf verzichten etwas lehrmäßig zu sagen von dem man nicht sicher (!) ist dass es Wahrheit ist und das leben (!) von dem man sicher ist dass es Wahrheit ist. Es scheint mir in der letzten Zeit so zu sein dass die Bibel uns kein theologisches Gebäude beibringen will (»die Bibel ist kein theologisches Lehrbuch«) sondern viel viel mehr als bisher angenommen einen pragmatischen Aspekt hat. Das heißt, Gott fordert uns auf richtig zu handeln, und das ist möglich ohne dass wir ein vollständiges Denkmodell haben in das wir unser Handlen eingliedern können und ohne dass wir im absoluten Sinn wissen müssen was richtig und falsch ist. Beispiel: wenn Gott jemanden in einer Ehekrise konkret auffordert den Ehepartner zu lieben dann muss er / sie dazu nicht wissen ob es in dieser Situation auch erlaubt wäre sich scheiden zu lassen.

Um das Gute zu leben muss ich nicht wissen was schlecht wäre. Und um das Ideal zu leben muss ich nicht wissen was gut wäre.

Mit Logik kann man aus Bibelversen alles begründen, es ergibt sich eine Beliebigkeit der Aussagen. Erschreckend. Also scheint es notwendig anzuerkennen dass wir die Bibel nicht genau genug verstehen können um mit Logik daraus richtige Schlüsse zu ziehen (die Voraussetzungen auf denen unsere Logik basieren könnte sind uns nicht genau genug bekannt, und irgendetwas im gegebenen unscharfen Bereich anzunehmen ermöglicht, alles zu begründen). Also scheint es notwendig, direktes »Feedback« von Gott zu haben um die Wahrheit zu erkennen: der Heilige Geist wird es sein der in die Wahrheit leitet. Aber es muss / wird schon anders sein als all dies autosuggestive »Hören« der Stimme Gottes während es doch nur das eigene Herz ist das einen betrügt.

Dass Gott uns versorgt bedeutet etwas für die Praxis, für unser Erleben. Statt also Gott immer in den Ohren zu liegen mit Anliegen die wir für unerfüllt halten sollten wir davon ausgehen dass Gott sie erfüllt (… hat er verheißen) und jeden Tag darauf achten welchen Teil der Erfüllung, welchen Segen wir jeweils heute beanspruchen, annehmen, in Besitz nehmen können. Carpe diem – nehme alle Gebetserhörungen an die ein Tag enthält, lebe sie aus, hole das Gute das Gott gibt aus jedem Tag heraus, statt achtlos darüber hinwegzuleben und das Gute einfach zu übersehen. Suche nach dem Guten im Tag, nach Gottes Segen in Deinem Leben, nach den Gebetserhörungen. Dies alles ist da! Nur sollten wir nicht meinen die Gebetserhörungen würden grundsätzlich auf einmal passieren: sie passieren oft auch jeden Tag etwas mehr, und wir müssen die Teile einsammeln, sie einzeln annehmen.

Folgende Gedanken kamen mir beim heutigen Besuch des Weihnachtsgottesdienstes meiner früheren Gemeinde: Wenn man selbst oder eine Gemeinde nicht erlebt, dass der Heilige Geist etwas tut, dann könnte das ja einen Grund haben der an uns selbst liegt: dass wir den Heiligen Geist betrüben, das ist, zueinander lieblos sind. Dass wir heucheln statt im Licht zu leben. Buße und Leben im Licht nämlich scheinen so enorm wichtig für eine von Gott gesegnete Gemeinde.

Nach Joh.3,16-19 scheint das Leben im Licht dasselbe zu sein wie die »Buße« bei der Bekehrung: anzuerkennen ein Sünder zu sein statt das Gegenteil zu heucheln. Es geht dabei gar nicht um Gutestun, Gehorsam usw. sondern darum anzuerkennen wie man lebt. Wie wenig wir »im Licht wandeln« zeigt sich auch daran dass für uns »Sünde« und »Schuld« inhaltsleere Konzepte sind, Fremdworte.

Gemeinschaft mit Gott und miteinander, was ist das? Das ist, wenn wir uns so sehen lassen wie wir sind. Sünde ist ja seit Jesus’ Tod nicht mehr das Problem, aber Sünde zu verbergen, denn das verhindert Bekehrung. Im Licht leben ist nun: offenbar sein, sich so sehen lassen wie man ist.

Alle Menschen bemühen sich, zuallererst äußerlich, um Gutsein, Perfektion und Heiligkeit: Christen sollten sich stattdessen dadurch auszeichnen die miese Qualität ihrer Handelns einfach mal anzuerkennen.

Der »religiöse Stil«, der einen eigenen Lebensbereich aufmacht der sich vom Rationalen abtrennt, nervt mich ab. Was ich suche ist ein vollständig nüchterner Glaube in dem Sinn dass die Glaubensinhalte vollständig ihren Platz in der Realität haben. Es darf keinen Bruch geben, keinen Unterschied in der Beschaffenheit zwischen Tatsachen die ich glaube und Tatsache die ich erfahren habe. Ebenso wie ich keine sichtbaren Tatsachen als wahr annehme wenn dazu kein ausreichender Grund vorhanden ist werde ich auch keine unsichtbaren Tatsachen (Glaubensinhalte) als wahr annehmen wenn sie nicht ausreichend begründet sind.