Wichtiges Prinzip für Gemeinde und auch für alle anderen Bereiche des Lebens: der Unterschied zwischen erlebter und realer Wirklichkeit, zwischen Subjektivität und Objektivität muss Null sein. Jede Abweichung ist Heuchelei.

Abweichungen sind deshalb so häufig und werden deshalb so gerne angewandt weil der Mensch sich nach Glück sehnt und die Subjektivität einfacher zu ändern ist also die Objektivität: es ist einfacher sich glücklich zu fühlen als einen Grund zu schaffen aus dem man sich glücklich fühlen dürfte.

Nichts spricht grundsätzlich gegen positive Subjektivität, gegen positives Erleben der Wirklichkeit. Sofern die objektive Realität auch positiv ist. Die Entkopplung zwischen objektiver und subjektiver Realität entsteht dadurch dass der Mensch ein informationsverarbeitendes Wesen ist: Information ist Stellvertretung, nicht die Realität selbst, kann also durch »falsche Stellvertretung« (Heuchelei, Lüge) auch von der objektiven Realität abweichen. Subjektivität muss korrekte Stellvertretung objektiver Realität sein, i.S. des Informationsbegriffs.

Heuchelei ist schlimm weil sie sich langfristig rächt: könnte man dauerhaft subjektiv die Realität positiver erleben als sie ist (z.B. mit Drogen usw.) gäbe es keinen Grund das nicht zu tun. Aber die objektive Realität holt einen ein: und dann erkennt man das man die Zeit besser mit Arbeit an der objektiven Realität statt mit Heuchelei (»Arbeit an der subjektiven Realität«) verbracht hätte. Es ist deshalb sehr traurig wenn es in Gemeinde Heuchelei gibt. Wenn es irgendeine Form von Problemen gibt über die man nicht spricht oder sprechen kann. Das rächt sich!!

Über das Gutsein biologischer Systeme. Nur statische Systeme können ewig existieren ohne sich gegen zerstörende Einflüsse »wehren« zu müssen: nämlich dann wenn sie sich im kräftefreien Raum befinden. Dynamische Systeme (darunter jedes System das auf andere wirken will, also alles Lebendige) können sich dagegen nur in einem dynamischen (statt statischen) Gleichgewicht befinden: jede Aktion hat auch eine Wirkung auf es selbst (Kraft und Gegenkraft), und diese ist nicht unbedingt i.S. des Systems (z.B. Abrieb von Zähnen beim Essen), das heißt es braucht wieder eine Aktion die das ausgleicht, diese hat wieder eine Wirkung auf das System selbst usw..

Die gute Nachricht ist nun: es ist möglich ewige dynamische Systeme zu bauen. Ewiges Leben im Materiellen ist denkbar, erfordert ggü. dem jetzigen Zustand aber Perfektionierung (»Bugtracking«). In dem Sinn dass nichts zulässig ist wozu keine ausgleichende Aktion denkbar ist (z.B. Straßenverkehr im heutigen Sinn, denn da kann es Verkehrstote geben). Ganzheitlich zu leben erfordert aber, nichts zu tun was sich rächt, auch wenn das lange dauert.

Und: ein egoistisches Element kann das dynamische Gleichgewicht bereits zerstören, weil zu seiner Korrektur Ressourcen herangezogen werden müssen die bereits zum Ausgleich anderer Dinge gedacht waren. So stopft man ein Loch mit dem anderen bis das System kaputtgeht (Tod).

Diese Sichtweise führt außerdem zu einer völlig neuen Sicht des Wirtschaftens und Lebens: es geht nicht darum etwas für sich selbst zu erreichen sondern »system engineering« in dieser Welt zu betreiben: sie für alle zu einem System in dynamischem Gleichgewicht zu machen, zu einem System das Leben ermöglicht und lebenswert ist. Das heißt auch: es kann als Mensch nie darum gehen, stolz auf spezielle Detailqualifikationen zu sein. Sondern gerade die Unnötigkeit solcher Detailqualifikationen (die man für Beiträge beim »system engineering« der Welt braucht) zeigt dass die Welt ein funktionierendes System ist. D.h. eigenstabil, so dass es funktioniert ohne dass sich Menschen darum tief kümmern müssen.

Es scheint dass es Gott ein großes Anliegen war die Welt so zu schaffen dass sie selbständig, nach mitgeschaffenen physikalischen Gesetzen, abläuft statt auf Gottes direktes Wirken angewiesen zu sein.

Vermutung: so ist es auch im geistlichen Bereich. Wo immer möglich ändert Gott Menschen ohne direktes übernatürliches Eingreifen. Er lässt einfach Christen auf Nichtchristen wirken: sie sind ausgerüstet mit geistlichen Gaben, haben den Heiligen Geist (hier i.S.v.: Kraft zu geistlichem Leben) und können also Jesus vorleben und weiterhelfen. Nur selten hilft Gott durch Wunder. Normalerweise hilft er mittelbar: die ersten Jünger waren von Jesus gelehrt (das war die »Initialzündung«), und seitdem wird dieses Gute das dadurch in die Welt gekommen ist ständig weitergegeben.

Das hilft zu verstehen was Gebetserhörungen sind und was nicht. Die meisten konkreten Gebete sind vermutlich auswirkungslos: statt um Gottes konkreten Segen für einzelne Situationen zu beten (z.B. missionarische Veranstaltungen) sollte man lieber einfach danken dass Jesus dabei ist. Konkretes Gelingen sollte man dann auch nicht direkt Gott zuschreiben sondern Gott danken dass er in uns ist und uns so ermöglicht hat geistlich zu handeln und den Menschen helfen zu können. Nur wo tatsächlich konkretes (übernatürliches) Eingreifen Gottes erforderlich oder geschehen ist sollte man darum bitten bzw. dafür danken.

Oft scheint es so zu sein dass Gottes übernatürliches Eingreifen nur am Anfang von Werken steht die er tun will, wieder wie eine Initialzündung von der ausgehend der Rest logisch und aus dem vorhandenen Potenzial abläuft.

Gebet um Gottes konkrete Hilfe und seinen Segen auf einzelne Gottesdienste oder deren Vorbereitung sollte man sich wohl sparen und Gott einfach danken für die Gaben und Möglichkeiten die er dafür zur Verfügung gestellt hat. Und dann sollten wir diese Gaben selbst einsetzen und nutzen: that’s life, a mess of meaningless details to act in. Vgl. auch das Gleichnis vom Hausherren der seinen Knechten Talente gab und dann wegreiste, d.h. er war für konkrete Bitten um Hilfe nicht mehr ansprechbar.

Kommentiere aus dieser Sicht was ich früher einmal schrieb:

»Strecke die Hand aus und Gott ist da.« Es ist einfach großartig, wie Gott zu jedem Menschen sein möchte: so nahe, so präsent in den Erfahrungen jeden Tages, in allen kleinen und großen Geschenken und Freuden. Und so präsent in allen guten Beziehungen zu Menschen.

Und kommentiere: in welchem Sinn kann man Gott in der Natur erleben? In gutem Essen, gutem Wetter? Sicher nicht so als habe Gott das gerade heute nur für mich getan …

Wenn man weiß dass Gott meist indirekt hilft statt konkret, sofort und übernatürlich, und dass seine Hilfe kommt egal ob ich konkret dafür bete oder nicht (einfach weil Gott das Gute für uns will …): dann wird man seltener in schwieriger Lage um sofortige Befreiung beten oder eine solche von Gott erwarten.

Es scheint sogar so zu sein: wenn Gott uns indirekt Gutes tut und hilft (der Normalfall) dann hängt der Zeitpunkt und Umfang der Hilfe auch von Menschen ab. D.h. Menschen (oder auch böse geistliche Mächte, wie im Buch Daniel in der Bibel) können Gottes indirekte Hilfe und auch Gebetserhörungen aufhalten oder schmälern. Das heißt: genauso wie bei Adam am Anfang hat das schlechte Verhalten auch heute noch negative Wirkungen auf andere, unbeteiligte, unschuldige Mitmenschen. Das ist so weil Gott es wichtig war dass die Welt selbständig und »geschlossen« funktioniert …

Der Hauptgrund warum es wohl unangemessen ist Gott um viele kleine konkrete Dinge zu bitten ist: es war auch zur Zeit des NT nicht so. Sogar Dinge wie Krankheit und Missernte treffen Menschen erstmal einfach so, gemäß statistischer Verteilung. Da macht es keinen Sinn, Gottes konkrete Hilfe und Bewahrung z.B. bei einer einzigen Autofahrt zu erwarten. So etwas war keine Glaubenspraxis im NT!!!

Da gibt es Menschen die aus der Existenz von Korrelaten zwischen Hirnfunktionen und seelischen Eigenschaften (Bewusstsein, religiöses Erleben, …) folgern, die starke Form des Materialismus habe gesiegt (»Der Preis der Selbsterkenntnis«, Gehirn & Geist, 7-8/2006).

Materialismus behauptet, es gebe nichts als Materie. Das ist: es gebe keinen Unterschied zwischen geordneter und ungeordneter Materie, denn beides ist »nur« Materie. Das ist: es gebe keine Ordnung als ontologische Größe, sondern Ordnung sei ein Zufallsprodukt geringer Wahrscheinlichkeit.

Nun aber. Es mag sein dass richtig ist: es gibt nichts wenn es keine Materie gibt. Materie ist das einzig mögliche Material (»Substrat«). Wenn es Geist gibt kann er also auch nur in Materie realisiert sein, d.i. eine eigenstabile Ordnungsform der Materie. Geist wäre in Materie realisiert, könnte aber nie von Materie hervorgebracht werden (weil es, empirisch beobachtbar, keine materiellen Prozesse gibt die Komplexität erzeugen). Das heißt: Geist hat keinen materiellen Ursprung, ist also ewig; also ist auch die Materie ewig, denn Geist braucht Materie als Substrat: ohne Materie gäbe es keinen Geist.

Es ist derzeit keinesfalls erkennbar ob Geist tatsächlich rein materiell realisiert ist oder aber aus eigenem, nichtmateriellem Material gebaut ist (sozusagen ein Geist-Paralleluniversum mit eigenen Naturgesetzen, orthogonal zum materiellen Universum existent). Aber: diese materialistische Theorie des Geistes zeigt dass keine Erkenntnis der deskriptiven Neuroanthropologie beweisen kann dass Geist als eigenständige, nichtmaterielle Größe nicht existiert. Um das zu beweisen muss gezeigt werden dass Geist aus Materie spontan entstehen kann: man muss die Evolution des Menschen im Labor wiederholen. Bis dahin ist nichts bewiesen.

Diese meine materialistische Theorie des Geistes gibt der Materie eine enorme Bedeutung: sie ist schon ewig Träger des Geistes, der Geist ist auf ihre Existenz angewiesen. Würde das bedeuten dass auch Gottes Geist materielles Substrat braucht?

Außerdem hat diese Theorie interessante Implikationen auf das Verständnis des Menschen und das Verständnis des biblischen Menschenbildes: »Seelisches« ist nicht minderwertig weil wir erkennen können auf welchen Neurotransmittern Emotionen beruhen; sondern Emotionalität ist etwas Nichtmaterielles, genauso hochwertig wie Philosophie. Typisch weibliche und männliche nichtmaterielle Leistungen haben also keinen unterschiedlichen Wert.

Siehe auch: naturgesetzliche Informationstheorie von Werner Gitt.

Es scheint Gott sehr wichtig zu sein dass diese Welt »selbständig« funktioniert. Sonst hätte er das Biosystem nicht eigenstabil geschaffen und nicht den Aufwand treiben müssen, den Menschen so zu schaffen dass er sich selbständig vermehren kann. Die Alternative wäre gewesen dass Gott jeden neuen Menschen wieder selbst erschafft. Da er das im materiellen Bereich nicht tut sollte man annehmen dass er es im geistlichen Bereich auch nicht tut, d.h. Gott erschafft nicht den Geist bei der Entstehung eines Menschen. Soll heißen, wahrscheinlich ist der Geist des Mensche eine Emergenz des Gehirns, d.h. materiell implantiert.

Relaxtes Erkennen von Gottes Segen wenn man den Stress aufgibt, jede Erfahrung religiös interpretieren zu müssen, in allem das direkte Eingreifen Gottes erkennen zu wollen?

Krankheit, Freundschaften die sich auseinanderleben, … : all das tut nicht Gott, sondern es ist unser Leben, in einer gefallenen Welt.

Siehe in Prediger: früh am Morgen streue Deinen Samen, und des Abends lass Deine Hand nicht ab. Das heißt: um Gottes Segen zu erfahren muss man ihn sozusagen ausgraben; latent ist eine Unmenge davon vorhanden, und weil das der Fall ist ist Gott gut.

Lies Ps.78: Asaph fragte sich auch warum man auf der Erde keinen Unterschied erkennen kann in dem Sinn dass Gott es den Gläubigen gut und den Ungläubigen schlecht gehen lässt.

Und was bedeutet Anbetung neu in dieser relaxten, nichtreligiösen Sicht auf das was Gott heute tut? Es bedeutet wohl Folgendes: man sollte nicht denken Gott höre auf dieselbe direkte, konkrete Art zu wie ein Mensch in dem Sinn dass jedes bei der Anbetung geäußerte Wort eine Wirkung hat. Sondern Anbetung ist indirekter, hat einen größeren Maßstab: man »stellt Gott dar« indem man von ihm singt und ihn anbetet, man sagt und zeigt damit anderen wie ER ist, und das hat seine Wirkung nicht beim ersten mal, sondern evtl. erst nach Jahren.

Und genauso nüchtern ist ein Gottesdienst dann nicht etwas wo man hingeht um Gott zu »erleben« (in dem Sinn dass man stets erwartet dass Gott etwas konkretes tut im Gottesdienst) sondern um seine Dankbarkeit für die einmaligen Geschenke (gegeben in Christus) auszudrücken, die einem ermöglichen zu leben, sowohl jetzt (z.B.: mit Hilfe der Gemeinschaft in der Gemeinde) als auch in Ewigkeit.

Vielleicht müssen Menschen so »unabhängig« bzw. »selbständig« von Gottes konkretem Eingreifen leben weil Gott will dass sie SEIN Ebenbild sind?

Aber wenn das Wirken Gottes so unkonkret und natürlich ist: woran können wir dann erkennen dass wir tatsächlich mit Gott leben statt bloß eine Religion zu haben? Ganz krass wäre: außer in Einzelfällen wo Gott von sich aus konkret eingreift (»Gebetserhörungen«) und außer den »Gandengaben« gibt es evtl. keine konkreten Erfahrungen mit Gott. D.h. wir haben keine Religion und keine konkreten Erfahrungen mit Gott, selbständig lebend in dem was Gott getan hat durch Jesus Christus, ein gutes praktisches Leben darin findend, auch schon hier auf der Erde.

Wenn das das praktische Leben als Christ ist: dann ist die Beschäftigung mit der Bibel als sei es die Heilige Schrift einer Religion (»Bibelschule«, »Bibelstunde«) usw. Blödsinn.

»Da seine göttliche Kraft uns alles in betreff des Lebens und der Gottseligkeit« (2.Petr.1,3) – was also an konkretem Eingreifen Gottes brauchen wir noch? Und auch die Gnadengaben sollten wohl weniger als beständiges konkretes Eingreifen Gottes verstanden werden, vielmehr ein einmaliges Geschenk Gottes über das der beschenkte Gläubige dann verfügen kann.

2.Petr.1,3 bedeutet aber auch dass wir Menschen selbst nicht haben was zum Leben und zur Gottseligkeit dient sondern dass es Dinge sind die wir nur von Gott empfangen können, d.h. etwas Übernatürliches!! Und daran (evtl. nur daran) kann man erkennen dass es im Christsein nicht nur mit natürlichen Dingen zugeht: am Anfang (und bei manchen vielleicht nur da) steht ein übernatürlcihes Ereignis: die Wiedergeburt = der Empfang des Heiligen Geistes = der Empfang von allem was zum Leben und zur Gottseligkeit dient, durch SEINE göttliche Kraft. Ansonsten aber sind Christen noch normalere Menschen als sie meist annehmen: so lange wir hier unten sind sollten wir auch hier unten leben … erst im Himmel werden wir in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott leben, hier sind wir SEINE Stellvertreter, wir müssen ihn hier darstelen und vertreten.

Wenn die Beziehung zu Gott so indirekt ist bedeutet das u.a.: man sollte annehmen dass im Normalfall emotionale Reaktionen etwas rein menschliches statt von Gott implantiertes sind. Deshalb muss man lernen um emotional angemessen auf Gott und andere Menschen reagieren zu können.

Diese Sicht dass Gott normalerweise indirekt handelt mach die Frage nach dem Leiden viel unproblematischer: dann ist Leid nicht etwas das Gott konkret im Leben einzelner »aktiv zulässt« und schon gar nicht etwas das er »aktiv tut« sondern einfach die Konsequenz einer gefallenen Schöpfung die entsprechend ihren eigenen Naturgesetzen funktioniert.

Würde man andererseits annehmen dass Gott das Gute konkret tut dann mus man aus Symmetriegründen auch annehmen dass Gott das Schlechte (das Leid) konkret tut.

Diese »Naturgesetze« sind wohl Ausdruck davon dass Gott in sich selbst konsistent sein will / muss. Es gibt sie im Sinne von Notwendigkeiten (nicht aber quasi-magischen unlogischen Selbst-Abläufen) auch im geistlichen Bereich: »Wenn es möglich ist gehe dieser Kelch an mit vorüber« (und es war nicht möglich); »Es ist unmöglich dass Versuchungen nicht kommen«. Eine ebensolche Notwendigkeit findet sich am Anfang der Menschheitsgeschichte und ist der Grund warum die Schöpfung so zu Schrott gehen konnte: der Mensch musste als Ebenbild Gottes die Freiheit haben, Gottes Gnade abzulehnen.

Insgesamt behebt der Gedanke dass Gott normalerweise indirekt handelt alle Problem einer »religiösen Interpretation des Lebens«. U.a. erlaubt das, Röm.8 richtig zu verstehen: nichts Schlechtes, von Gott nicht Gewolltes kann uns trennen von Gott. Man muss sozusagen denken dass Gott (wenn er mal konkret handelt) wie ein Geschöpf unter Geschöpfen handelt. Aber keinesfalls dass alles was geschieht SEIN konkretes, individuell beabsichtigtes Handeln sei in dem Sinn dass einmal sich alles im Leben jedes Einzelnen zu einem großen Plan zusammensetzt. Diese Vorstellung von »Transzendenz Gottes« widerspricht dem Charakter des Lebendigen als etwas Selbst-Aktivem.

Um gesegnet zu sein darf man nicht einfach warten bis Gott etwas konkretes tut: solcher Segen ist extrem selten, der meiste Segen ist latent schon da, man muss ihn aber »ausgraben« bzw. aus Einzelteilen zu etwas funktionierendem »zusammensetzen«.

Und wenn Dinge misslingen: man sollte nicht meinen dass Gott einen mit Misserfolg unerträglich straft, denn ebensowenig ist Krankheit an der man stirbt von Gott. Gott ist nicht derjenige der unser Leben »unerträglich« macht, sondern solche Dinge treffen uns ohne dass Gott es will, weil diese Welt eben »selbständig« sein muss. Uns trifft sozusagen die »ganze Härte« dieser Welt, mit dieser Härte müssen wir leben (… wo wirklich nötig hilft Gott konkret gegen diese Härte). So lange Dinge nicht funktionieren suche man also einfach weiter nach etwas gutem Funktionierendem: das kann man dann eine Gabe Gottes nennen, denn jede gute Gabe kommt von Gott und dass es dies Gute latent gab hat Gott gemacht (… d.h. die Möglichkeit es zu finden). Beispiel: Community, funktionierende Gemeinde.

Diese Sicht vom Handeln Gottes bedeutet auch dass die Gemeinde sehr wichtig ist: hier, nirgendwo sonst, kann man die Auswirkungen dessen erleben was Gott durch Jesus den Menschen an Gutem gegeben hat. Denn hier erlebt man liebende, veränderte Menschen.

Derzeitiges Problem mit diesem Verständnis ist nur noch: Gnadengaben sind konkretes, beständiges übernatürliches Wirken Gottes … sie müssten existieren und man kann an dieser Anzahlung Gottes Herrlichkeit erkennen. Warum gibt es sie nicht mehr? Weil sie zur Ausrüstung der Heiligen gedacht sind, d.h. wenn Heilige zum Dienst fähig sind zeigt dass das Gnadengaben beteiligt waren auch wenn es die übernatürlichen davon nicht mehr gibt??

Das es beim Evangelium nicht rein um persönliche Verantwortung und Entscheidung geht sondern auch um das Aufwachsen unter dem Evangelium und um Erziehung darin zeigt sich im »Reichgottes«-Charakter des Evangeliums. Dieser Charakter scheint analog dazu zu sein dass das Reich der Finsternis auch über alle Menschen herrscht, unabhängig von der Größe ihrer persönlichen Schuld. Der Kampf zwischen Gut und Böse tobt also nicht bloß in uns (in dem Sinn dass wir Subjekte, Handelnde sind und ihn entscheiden müssen) sondern auch um uns (in dem Sinn dass wir Objekte, Betroffene sind und keine Einflussmöglichkeit haben).