Es scheint Gott sehr wichtig zu sein dass diese Welt »selbständig« funktioniert. Sonst hätte er das Biosystem nicht eigenstabil geschaffen und nicht den Aufwand treiben müssen, den Menschen so zu schaffen dass er sich selbständig vermehren kann. Die Alternative wäre gewesen dass Gott jeden neuen Menschen wieder selbst erschafft. Da er das im materiellen Bereich nicht tut sollte man annehmen dass er es im geistlichen Bereich auch nicht tut, d.h. Gott erschafft nicht den Geist bei der Entstehung eines Menschen. Soll heißen, wahrscheinlich ist der Geist des Mensche eine Emergenz des Gehirns, d.h. materiell implantiert.

Relaxtes Erkennen von Gottes Segen wenn man den Stress aufgibt, jede Erfahrung religiös interpretieren zu müssen, in allem das direkte Eingreifen Gottes erkennen zu wollen?

Krankheit, Freundschaften die sich auseinanderleben, … : all das tut nicht Gott, sondern es ist unser Leben, in einer gefallenen Welt.

Siehe in Prediger: früh am Morgen streue Deinen Samen, und des Abends lass Deine Hand nicht ab. Das heißt: um Gottes Segen zu erfahren muss man ihn sozusagen ausgraben; latent ist eine Unmenge davon vorhanden, und weil das der Fall ist ist Gott gut.

Lies Ps.78: Asaph fragte sich auch warum man auf der Erde keinen Unterschied erkennen kann in dem Sinn dass Gott es den Gläubigen gut und den Ungläubigen schlecht gehen lässt.

Und was bedeutet Anbetung neu in dieser relaxten, nichtreligiösen Sicht auf das was Gott heute tut? Es bedeutet wohl Folgendes: man sollte nicht denken Gott höre auf dieselbe direkte, konkrete Art zu wie ein Mensch in dem Sinn dass jedes bei der Anbetung geäußerte Wort eine Wirkung hat. Sondern Anbetung ist indirekter, hat einen größeren Maßstab: man »stellt Gott dar« indem man von ihm singt und ihn anbetet, man sagt und zeigt damit anderen wie ER ist, und das hat seine Wirkung nicht beim ersten mal, sondern evtl. erst nach Jahren.

Und genauso nüchtern ist ein Gottesdienst dann nicht etwas wo man hingeht um Gott zu »erleben« (in dem Sinn dass man stets erwartet dass Gott etwas konkretes tut im Gottesdienst) sondern um seine Dankbarkeit für die einmaligen Geschenke (gegeben in Christus) auszudrücken, die einem ermöglichen zu leben, sowohl jetzt (z.B.: mit Hilfe der Gemeinschaft in der Gemeinde) als auch in Ewigkeit.

Vielleicht müssen Menschen so »unabhängig« bzw. »selbständig« von Gottes konkretem Eingreifen leben weil Gott will dass sie SEIN Ebenbild sind?

Aber wenn das Wirken Gottes so unkonkret und natürlich ist: woran können wir dann erkennen dass wir tatsächlich mit Gott leben statt bloß eine Religion zu haben? Ganz krass wäre: außer in Einzelfällen wo Gott von sich aus konkret eingreift (»Gebetserhörungen«) und außer den »Gandengaben« gibt es evtl. keine konkreten Erfahrungen mit Gott. D.h. wir haben keine Religion und keine konkreten Erfahrungen mit Gott, selbständig lebend in dem was Gott getan hat durch Jesus Christus, ein gutes praktisches Leben darin findend, auch schon hier auf der Erde.

Wenn das das praktische Leben als Christ ist: dann ist die Beschäftigung mit der Bibel als sei es die Heilige Schrift einer Religion (»Bibelschule«, »Bibelstunde«) usw. Blödsinn.

»Da seine göttliche Kraft uns alles in betreff des Lebens und der Gottseligkeit« (2.Petr.1,3) – was also an konkretem Eingreifen Gottes brauchen wir noch? Und auch die Gnadengaben sollten wohl weniger als beständiges konkretes Eingreifen Gottes verstanden werden, vielmehr ein einmaliges Geschenk Gottes über das der beschenkte Gläubige dann verfügen kann.

2.Petr.1,3 bedeutet aber auch dass wir Menschen selbst nicht haben was zum Leben und zur Gottseligkeit dient sondern dass es Dinge sind die wir nur von Gott empfangen können, d.h. etwas Übernatürliches!! Und daran (evtl. nur daran) kann man erkennen dass es im Christsein nicht nur mit natürlichen Dingen zugeht: am Anfang (und bei manchen vielleicht nur da) steht ein übernatürlcihes Ereignis: die Wiedergeburt = der Empfang des Heiligen Geistes = der Empfang von allem was zum Leben und zur Gottseligkeit dient, durch SEINE göttliche Kraft. Ansonsten aber sind Christen noch normalere Menschen als sie meist annehmen: so lange wir hier unten sind sollten wir auch hier unten leben … erst im Himmel werden wir in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott leben, hier sind wir SEINE Stellvertreter, wir müssen ihn hier darstelen und vertreten.

Wenn die Beziehung zu Gott so indirekt ist bedeutet das u.a.: man sollte annehmen dass im Normalfall emotionale Reaktionen etwas rein menschliches statt von Gott implantiertes sind. Deshalb muss man lernen um emotional angemessen auf Gott und andere Menschen reagieren zu können.

Diese Sicht dass Gott normalerweise indirekt handelt mach die Frage nach dem Leiden viel unproblematischer: dann ist Leid nicht etwas das Gott konkret im Leben einzelner »aktiv zulässt« und schon gar nicht etwas das er »aktiv tut« sondern einfach die Konsequenz einer gefallenen Schöpfung die entsprechend ihren eigenen Naturgesetzen funktioniert.

Würde man andererseits annehmen dass Gott das Gute konkret tut dann mus man aus Symmetriegründen auch annehmen dass Gott das Schlechte (das Leid) konkret tut.

Diese »Naturgesetze« sind wohl Ausdruck davon dass Gott in sich selbst konsistent sein will / muss. Es gibt sie im Sinne von Notwendigkeiten (nicht aber quasi-magischen unlogischen Selbst-Abläufen) auch im geistlichen Bereich: »Wenn es möglich ist gehe dieser Kelch an mit vorüber« (und es war nicht möglich); »Es ist unmöglich dass Versuchungen nicht kommen«. Eine ebensolche Notwendigkeit findet sich am Anfang der Menschheitsgeschichte und ist der Grund warum die Schöpfung so zu Schrott gehen konnte: der Mensch musste als Ebenbild Gottes die Freiheit haben, Gottes Gnade abzulehnen.

Insgesamt behebt der Gedanke dass Gott normalerweise indirekt handelt alle Problem einer »religiösen Interpretation des Lebens«. U.a. erlaubt das, Röm.8 richtig zu verstehen: nichts Schlechtes, von Gott nicht Gewolltes kann uns trennen von Gott. Man muss sozusagen denken dass Gott (wenn er mal konkret handelt) wie ein Geschöpf unter Geschöpfen handelt. Aber keinesfalls dass alles was geschieht SEIN konkretes, individuell beabsichtigtes Handeln sei in dem Sinn dass einmal sich alles im Leben jedes Einzelnen zu einem großen Plan zusammensetzt. Diese Vorstellung von »Transzendenz Gottes« widerspricht dem Charakter des Lebendigen als etwas Selbst-Aktivem.

Um gesegnet zu sein darf man nicht einfach warten bis Gott etwas konkretes tut: solcher Segen ist extrem selten, der meiste Segen ist latent schon da, man muss ihn aber »ausgraben« bzw. aus Einzelteilen zu etwas funktionierendem »zusammensetzen«.

Und wenn Dinge misslingen: man sollte nicht meinen dass Gott einen mit Misserfolg unerträglich straft, denn ebensowenig ist Krankheit an der man stirbt von Gott. Gott ist nicht derjenige der unser Leben »unerträglich« macht, sondern solche Dinge treffen uns ohne dass Gott es will, weil diese Welt eben »selbständig« sein muss. Uns trifft sozusagen die »ganze Härte« dieser Welt, mit dieser Härte müssen wir leben (… wo wirklich nötig hilft Gott konkret gegen diese Härte). So lange Dinge nicht funktionieren suche man also einfach weiter nach etwas gutem Funktionierendem: das kann man dann eine Gabe Gottes nennen, denn jede gute Gabe kommt von Gott und dass es dies Gute latent gab hat Gott gemacht (… d.h. die Möglichkeit es zu finden). Beispiel: Community, funktionierende Gemeinde.

Diese Sicht vom Handeln Gottes bedeutet auch dass die Gemeinde sehr wichtig ist: hier, nirgendwo sonst, kann man die Auswirkungen dessen erleben was Gott durch Jesus den Menschen an Gutem gegeben hat. Denn hier erlebt man liebende, veränderte Menschen.

Derzeitiges Problem mit diesem Verständnis ist nur noch: Gnadengaben sind konkretes, beständiges übernatürliches Wirken Gottes … sie müssten existieren und man kann an dieser Anzahlung Gottes Herrlichkeit erkennen. Warum gibt es sie nicht mehr? Weil sie zur Ausrüstung der Heiligen gedacht sind, d.h. wenn Heilige zum Dienst fähig sind zeigt dass das Gnadengaben beteiligt waren auch wenn es die übernatürlichen davon nicht mehr gibt??

Das es beim Evangelium nicht rein um persönliche Verantwortung und Entscheidung geht sondern auch um das Aufwachsen unter dem Evangelium und um Erziehung darin zeigt sich im »Reichgottes«-Charakter des Evangeliums. Dieser Charakter scheint analog dazu zu sein dass das Reich der Finsternis auch über alle Menschen herrscht, unabhängig von der Größe ihrer persönlichen Schuld. Der Kampf zwischen Gut und Böse tobt also nicht bloß in uns (in dem Sinn dass wir Subjekte, Handelnde sind und ihn entscheiden müssen) sondern auch um uns (in dem Sinn dass wir Objekte, Betroffene sind und keine Einflussmöglichkeit haben).

Diese Tage lerne ich den Alltag neu hassen. Das ist kein Leben, kein Zustand. Das ist Mangelernährung des inneren Menschen: Warum sehnt sich der Mensch nach Gemeinschaft? Und was ist Gemeinschaft überhaupt?

Gemeinschaft ist nicht einfach das Zusammensein oder Zusammenarbeiten von Personen. Sondern gelebte, erfahrbare Liebe, Liebe in »flow state«: gleichzeitig fordernd (zu lieben) und erfüllend (geliebt zu werden), zusammengenommen lebenswert, in sehr kurzen Zyklen, und den ganzen Tag erfahrbar. Und weil Liebe gut ist, weil Gott Liebe ist, deshalb sehnt sich der Mensch nach Gemeinschaft wo er Liebe erfährt.

Das Ideal für ein erfülltes, lebenswertes Leben ist »agape flow state«: Leben aus und von der Liebe, lieben und geliebt werden, für immer und ewig. Dazu ist Gemeinschaft notwendig, denn nur Personen können lieben. Vermutlich ist es dies was Gott von und für uns will, worin er selbst lebt und wonach er sicht sehnt: Gemeinschaft im Sinn von »agape flow state«. Und wenn in der Bibel steht dass die Liebe nie vergeht (1.Kor.13,8) dann bedeutet das: agape flow state for ever and ever.

Und deshalb sehne ich mich nach Community. Mittlerweile so sehr dass ich dafür jetzt auch alles Prestige im Beruf aufgeben würde / werde. Zum Beispiel könnte ich ja eine universitäre Karriere einschlagen und eines Tages Professor werden … aber ab heute gilt, ich tue so etwas nur wenn das mit Community problemlos kombinierbar ist. Prof sein macht das Leben nicht lebenswert, Community schon. Wenn das Community möglich macht werde ich mich freudig zufrieden geben mit einem prestigelosen IT-Beruf, etwa Programmierer in einer Community-eigenen IT-Firma. Egal, alles, wenn ich nur Leben erleben darf, d.i. erfahrbare Liebe in Community!!!!

1 Ein Gebet von Mose, dem Mann Gottes. Herr, solange es Menschen gibt, bist du unsere Zuflucht!
2 Ja, bevor die Berge geboren wurden, noch bevor Erde und Weltall unter Wehen entstanden, warst du, o Gott. Du bist ohne Anfang und Ende.
3 Du lässt den Menschen wieder zu Staub werden. “Kehr zurück!”, sprichst du zu ihm.
4 Tausend Jahre sind für dich wie ein einziger Tag, wie ein Tag, der im Flug vergangen ist, wie eine Stunde Schlaf.
5 Du reißt die Menschen hinweg, sie verschwinden so schnell wie ein Traum nach dem Erwachen. Sie vergehen wie das Gras:
6 Morgens sprießt es und blüht auf, doch schon am Abend welkt und verdorrt es im heißen Wüstenwind.
7 Ja, durch deinen Zorn vergehen wir, schnell geht es mit uns zu Ende!
8 Unsere Schuld liegt offen vor dir, auch unsere geheimsten Verfehlungen bringst du ans Licht.
9 Dein Zorn lässt unser Leben verrinnen – schnell wie ein kurzer Seufzer ist es vorbei!
10 Unser Leben dauert siebzig, vielleicht sogar achtzig Jahre. Doch worauf wir stolz sind, ist nur Mühe, viel Lärm um nichts! Wie schnell eilen die Jahre vorüber! Wie rasch fliegen sie davon!
11 Doch wer kann begreifen, wie gewaltig dein Zorn ist? Wer fürchtet sich schon davor?
12 Mach uns bewusst, wie kurz unser Leben ist, damit wir endlich zur Besinnung kommen!
13 Herr, wende dich uns wieder zu! Wie lange soll dein Zorn noch dauern? Hab Erbarmen mit uns, wir gehören doch zu dir!
14 Herr, schenke uns deine Liebe jeden Morgen neu! Dann können wir singen und uns freuen, solange wir leben!
15 So viele Jahre litten wir unter Not und Bedrückung; lass uns nun ebenso viele Jahre Freude erleben!
16 Zeige uns, wie machtvoll du eingreifst; auch unsere Kinder sollen deine mächtigen Taten sehen!
17 Herr, unser Gott! Zeige uns deine Güte! Lass unsere Mühe nicht vergeblich sein! Ja, lass unsere Arbeit Früchte tragen!

Psalm 90 nach »Hoffnung für alle«, Ausgabe 2002

Für ein einfaches Leben müssen nicht nur Technik und Beziehungen einfach sein, was für mich Environment und Community bedeutet. Sondern auch den Glauben haben wir durch unser theologisieren und theoretisieren viel zu kompliziert gemacht.

Man sollte nun darauf verzichten etwas lehrmäßig zu sagen von dem man nicht sicher (!) ist dass es Wahrheit ist und das leben (!) von dem man sicher ist dass es Wahrheit ist. Es scheint mir in der letzten Zeit so zu sein dass die Bibel uns kein theologisches Gebäude beibringen will (»die Bibel ist kein theologisches Lehrbuch«) sondern viel viel mehr als bisher angenommen einen pragmatischen Aspekt hat. Das heißt, Gott fordert uns auf richtig zu handeln, und das ist möglich ohne dass wir ein vollständiges Denkmodell haben in das wir unser Handlen eingliedern können und ohne dass wir im absoluten Sinn wissen müssen was richtig und falsch ist. Beispiel: wenn Gott jemanden in einer Ehekrise konkret auffordert den Ehepartner zu lieben dann muss er / sie dazu nicht wissen ob es in dieser Situation auch erlaubt wäre sich scheiden zu lassen.

Um das Gute zu leben muss ich nicht wissen was schlecht wäre. Und um das Ideal zu leben muss ich nicht wissen was gut wäre.

Mit Logik kann man aus Bibelversen alles begründen, es ergibt sich eine Beliebigkeit der Aussagen. Erschreckend. Also scheint es notwendig anzuerkennen dass wir die Bibel nicht genau genug verstehen können um mit Logik daraus richtige Schlüsse zu ziehen (die Voraussetzungen auf denen unsere Logik basieren könnte sind uns nicht genau genug bekannt, und irgendetwas im gegebenen unscharfen Bereich anzunehmen ermöglicht, alles zu begründen). Also scheint es notwendig, direktes »Feedback« von Gott zu haben um die Wahrheit zu erkennen: der Heilige Geist wird es sein der in die Wahrheit leitet. Aber es muss / wird schon anders sein als all dies autosuggestive »Hören« der Stimme Gottes während es doch nur das eigene Herz ist das einen betrügt.